Tele Biographie
Tele
Es ist Samstagnacht, es ist Club und es ist eigentlich schon viel zu spät. Draußen tobt trotz Frühsommer immer noch ein unglaublicher Regen, nass, durch eine beschlagene Brille kaum sehend falle ich nach vorne, ein guter Freund und DJ nimmt meine Hand und sagt: „Das ist Francesco, er singt bei TELE.“ Dann spielt er die neue Single „Falschrum“ und ich halte das für eine blöde Anbiederung gegenüber Anwesenden, bis mir das Wasser aus den Ohren gelaufen ist und ich merke, dass „Falschrum“ eine ziemlich großartige Nummer ist. Uptempo, schöner Referenzpop der nur von ganz dummen Menschen in die große Schublade „Achtziger Jahre Revival“ geworfen werden dürfte. Alle tanzen und Francesco Wilking steht da und unterhält sich weiterhin, ohne seiner eigenen Platte Aufmerksamkeit zu schenken, bereits jetzt finde ich TELE ziemlich gut. Dass ich mit dieser weisen Einschätzung der Band einige Jahre zu spät dran bin, bemerke ich im Laufe der folgenden Wochen mehrfach.
Das 2000er Debüt „Tausend und ein Verdacht“ zu unterschlagen war eventuell noch möglich. Die Band hatte mit viel Enthusiasmus und wenig Plattenvertrag im heimischen Freiburg ein Album aufgenommen, produziert, veröffentlicht. Die Vertriebswege beschränkten sich allerdings auf örtliche Plattenläden und eigene Konzerte, man hätte danach suchen müssen. Gesucht hat ganz offensichtlich das Indie Label Tapete Records. Das Debüt hatte in langsamer, zentimeterweiser Verbreitung erst 2002 die Hansestadt Hamburg erreicht, bei Tapete allerdings brach sofort hektischer Aktionismus aus. Francesco Wilking, Stefan Wittich, Patrick Reising, Tobias Rodäbel, Martin Brombacher und Johannes Ober standen jetzt auf der Schwelle zum Dasein als Band mit Lebensunterhaltsperspektive und hatten in den Jahren auf Tour und in Nebenprojekten TELE weiterentwickelt.
Frickelig Verspieltes aus dem Frühwerk weicht auf der „Tele“ EP im Herbst 2003 dem großen Spaß am Song. „Now, Now, Now“, mit Video und Airplay versehen wird dadurch so etwas wie der erste Hit der Band. Alle merken das, außer mir natürlich. Und deswegen benötige ich im Frühsommer 2004 einen Kellerclub und einen großen Regenschauer, dann hat TELE auch mich erwischt.
Das wenig später in meinem CD Player liegende Erstlingswerk „Wovon sollen wir leben“ erledigt innerhalb von knapp 30 Sekunden den Rest. Ein kurzes Instrumentalintro und dann beginnt eine dieser TELE Geschichten, die immer allgemein bleiben und nie beliebig sind: „Schlaflos Express, Deine Brust geht auf und ab, wenn Du die Luft zum Laufen hast, hält Dich nichts mehr an.“ Im Verlauf von „Wenn Du gehst“ wird mit Beziehungen gebrochen, Auto gefahren und am Strand geschlafen, irgendwie mäandert das ohne eine klare Pointe vor sich hin und ist damit natürlich näher am Leben als vieles andere.
Die Texte, sagt Francesco Wilking, entstünden einfach so, als Teil der Musik, selbst ein toller Text entfalte sich ja nur im Einklang mit der Komposition. Meistens wäre die letzte Strophe dann auch noch der Teil, der einem Lied zur Fertigstellung fehle. Weil TELE keine Band von Aufschneidern ist, schenkt man dieser Information natürlich auch Glauben, aber es ist schon nahezu beängstigend, wie gut Texte sind, die einfach so, als Teil der Musik geschrieben wurden. „Wunder in Briefen“, der zweite Titel des Albums, ist eine solche lyrische Glanzleistung. Da geht es irgendwie um Vereinsamung, um ein paar andere Dinge auch noch und man hat so viel Spaß an jedem einzelnen Satz, an jeder Phrasierung, dass man nur noch Zuhören kann und der Alltag kurz verschwindet.
Natürlich bleibt soviel Schönheit nicht im Verborgenen. Man ist seit geraumer Zeit freundschaftlich mit anderen Berliner Bands verbunden, Judith Holofernes (Wir sind Helden) steuert dann auch zweimal unauffällig Backing Vocals bei, Patrick Majer zeichnet sich fürs Mischen verantwortlich. Die wirklich wichtigen Dinge, Komposition und Produktion, behalten TELE jedoch auch in eigenem Umfeld in eigenen Händen. Das Album wurde wieder im erprobten Zusammenspiel der einzelnen Mitglieder in Freiburg aufgenommen. Dahin sind die Jungs, die aus privaten Gründen vor drei Jahren nach Berlin gezogen sind, für einen sommerlang zurückgekehrt. Über die Jahre hat die Band sich dort ein Studio, das mixdiemotions, eingerichtet, welches ihnen ein konzentriertes und entspanntes Arbeiten ermöglicht. Das Fünf Mann Kollektiv schreibt zusammen, jammt an Versatzstücken herum und baut in gemeinsamer Arbeit die Musik auf. Als Resultat bekommen alle Beteiligten Platz zum Spielen, kleine Soli, geschickt arrangierte C Parts, all das, was Musikern eben Spaß macht. Wenn es aber um das große Ganze geht, dann nimmt sich auch jeder Einzelne zurück, am Ende dreht es sich um den Song. Der kann wahlweise „Wovon sollen wir leben“ heißen und eine echte, große Ballade abseits der Peinlichkeit sein oder als „Wiemir“ ein Schieber mit mächtigen Synthie Einsätzen. Wenn schließlich auf „Dilemma“ moderner R&B zelebriert wird, könnte man als argloser Leser zu große Heterogenität wittern. Ist aber wirklich nicht so. Deutscher Soul mit Gitarre und Kopf, der jetzt endlich auch eine breitere Öffentlichkeit findet.
Das 2000er Debüt „Tausend und ein Verdacht“ zu unterschlagen war eventuell noch möglich. Die Band hatte mit viel Enthusiasmus und wenig Plattenvertrag im heimischen Freiburg ein Album aufgenommen, produziert, veröffentlicht. Die Vertriebswege beschränkten sich allerdings auf örtliche Plattenläden und eigene Konzerte, man hätte danach suchen müssen. Gesucht hat ganz offensichtlich das Indie Label Tapete Records. Das Debüt hatte in langsamer, zentimeterweiser Verbreitung erst 2002 die Hansestadt Hamburg erreicht, bei Tapete allerdings brach sofort hektischer Aktionismus aus. Francesco Wilking, Stefan Wittich, Patrick Reising, Tobias Rodäbel, Martin Brombacher und Johannes Ober standen jetzt auf der Schwelle zum Dasein als Band mit Lebensunterhaltsperspektive und hatten in den Jahren auf Tour und in Nebenprojekten TELE weiterentwickelt.
Frickelig Verspieltes aus dem Frühwerk weicht auf der „Tele“ EP im Herbst 2003 dem großen Spaß am Song. „Now, Now, Now“, mit Video und Airplay versehen wird dadurch so etwas wie der erste Hit der Band. Alle merken das, außer mir natürlich. Und deswegen benötige ich im Frühsommer 2004 einen Kellerclub und einen großen Regenschauer, dann hat TELE auch mich erwischt.
Das wenig später in meinem CD Player liegende Erstlingswerk „Wovon sollen wir leben“ erledigt innerhalb von knapp 30 Sekunden den Rest. Ein kurzes Instrumentalintro und dann beginnt eine dieser TELE Geschichten, die immer allgemein bleiben und nie beliebig sind: „Schlaflos Express, Deine Brust geht auf und ab, wenn Du die Luft zum Laufen hast, hält Dich nichts mehr an.“ Im Verlauf von „Wenn Du gehst“ wird mit Beziehungen gebrochen, Auto gefahren und am Strand geschlafen, irgendwie mäandert das ohne eine klare Pointe vor sich hin und ist damit natürlich näher am Leben als vieles andere.
Die Texte, sagt Francesco Wilking, entstünden einfach so, als Teil der Musik, selbst ein toller Text entfalte sich ja nur im Einklang mit der Komposition. Meistens wäre die letzte Strophe dann auch noch der Teil, der einem Lied zur Fertigstellung fehle. Weil TELE keine Band von Aufschneidern ist, schenkt man dieser Information natürlich auch Glauben, aber es ist schon nahezu beängstigend, wie gut Texte sind, die einfach so, als Teil der Musik geschrieben wurden. „Wunder in Briefen“, der zweite Titel des Albums, ist eine solche lyrische Glanzleistung. Da geht es irgendwie um Vereinsamung, um ein paar andere Dinge auch noch und man hat so viel Spaß an jedem einzelnen Satz, an jeder Phrasierung, dass man nur noch Zuhören kann und der Alltag kurz verschwindet.
Natürlich bleibt soviel Schönheit nicht im Verborgenen. Man ist seit geraumer Zeit freundschaftlich mit anderen Berliner Bands verbunden, Judith Holofernes (Wir sind Helden) steuert dann auch zweimal unauffällig Backing Vocals bei, Patrick Majer zeichnet sich fürs Mischen verantwortlich. Die wirklich wichtigen Dinge, Komposition und Produktion, behalten TELE jedoch auch in eigenem Umfeld in eigenen Händen. Das Album wurde wieder im erprobten Zusammenspiel der einzelnen Mitglieder in Freiburg aufgenommen. Dahin sind die Jungs, die aus privaten Gründen vor drei Jahren nach Berlin gezogen sind, für einen sommerlang zurückgekehrt. Über die Jahre hat die Band sich dort ein Studio, das mixdiemotions, eingerichtet, welches ihnen ein konzentriertes und entspanntes Arbeiten ermöglicht. Das Fünf Mann Kollektiv schreibt zusammen, jammt an Versatzstücken herum und baut in gemeinsamer Arbeit die Musik auf. Als Resultat bekommen alle Beteiligten Platz zum Spielen, kleine Soli, geschickt arrangierte C Parts, all das, was Musikern eben Spaß macht. Wenn es aber um das große Ganze geht, dann nimmt sich auch jeder Einzelne zurück, am Ende dreht es sich um den Song. Der kann wahlweise „Wovon sollen wir leben“ heißen und eine echte, große Ballade abseits der Peinlichkeit sein oder als „Wiemir“ ein Schieber mit mächtigen Synthie Einsätzen. Wenn schließlich auf „Dilemma“ moderner R&B zelebriert wird, könnte man als argloser Leser zu große Heterogenität wittern. Ist aber wirklich nicht so. Deutscher Soul mit Gitarre und Kopf, der jetzt endlich auch eine breitere Öffentlichkeit findet.




