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Tori Amos Biographie

Tori Amos

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Nichts ist, wie es zunächst erscheint, weder im Land noch bei den Leuten, von denen sie hier singt. "Scarlet´s Walk" ist eine Erzählung, in der das Schöne und das Böse Hand in Hand gehen. "Seit dem 11. September lernte die Welt Amerika als einen Freund kennen, der getroffen und verletzt wurde. Unser Land war nicht mehr nur eine abstrakte Idee, ein Konzept, es war eine Freundin, eine Mutter, die unter großen Schmerzen litt. Als die Menschen sich vom ersten Schock erholt hatten, kamen Fragen auf. Fragen wie ?warum ist das passiert?´. Es war ein Erwachen für viele von uns, und wir mussten eine Art Reise in Richtung Selbstfindung antreten. Meine aktuellen Songs entstanden quasi von selbst, denn ich war auf der verzweifelten Suche nach Antworten und begab mich dabei auf ?Scarlet´s Walk?", erklärt Amos die Hintergründe.

Die CD folgt der Titelfigur, wie sie sich ihren Weg quer durch Amerika bahnt. Aber wer ist diese Frau? "Scarlet bin manchmal ich, manchmal ist sie jedoch nur ein kleiner Tropfen und dann wieder der ganze Ozean", erläutert die Künstlerin, "Scarlet ist nur eine Einzelne von uns, sie stellt aber gleichermaßen uns alle dar." Während Scarlet das ganze Land bereist, ohne zu wissen, was ihr nächstes Ziel ist und wen sie unterwegs oder dort treffen wird, hören wir Songs über die Gegenwart wie die Vergangenheit. Lieder, die ebenfalls als Abrechnung mit den Sünden Amerikas gegenüber seinem Boden und den Ureinwohnern ausgelegt werden können. Geschichten, deren Ursprung in der frühen Kindheit ihrer Schöpferin zu finden ist.

"Die Sommer verbrachte ich regelmäßig in North Carolina. Mein Großvater schilderte mir seine frühen Erinnerungen an Überlieferungen der Geschichte seiner Vorfahren, der Cherokee, und das, was ihnen angetan wurde. Durch diese alten Storys bekam ich ein Gefühl für meine Wurzeln. Ich entwickelte großes Mitgefühl für das Schicksal dieser Menschen und bin mir sicher, dass mir mein Großvater, bevor er starb, eine Art Memory-Chip einpflanzte, damit ich seine Erzählungen nie vergessen würde."

Kürzlich wurde Amos Mutter. Ein Umstand, der den letzten Song des Albums, "Golden Dust", erklären dürfte. "Ein Kind zu bekommen brachte mich zu dem Punkt, an dem ich mir selbst sagte: ?Okay, jetzt ist jemand anderes dran, der Mittelpunkt Deines Lebens zu sein?. Ich bin lange genug den selben Weg wie Scarlet gegangen, doch nun ist es an der Zeit, mich um meine Tochter Natashya zu kümmern. Andere sollen die Fackel aufnehmen, sollen sie zu neuen Menschen und in weitere Gegenden tragen."

"Scarlet?s Walk" wurde von Amos in ihrem bewährten Heimstudio im englischen Cornwall selbst produziert und aufgenommen. Zum wiederholten Male halfen ihre Langzeitkollaborateure Jon Evans am Bass und Matt Chamberlain am Schlagzeug aus. Auch John Philip Shenale, der seit "Under The Pink" für Toris Streicherarrangements verantwortlich ist, hat - zusammen mit der Sinfonia Of London - wieder einen starken Auftritt. Dazu kommen neue musikalische Partner wie Robbie McIntosh, Mac Aladdin und David Torn, die Toris Pianostücken eine überraschende Dimension verleihen. "Diese Jungs wussten sofort, in welche Richtung ich mit den Nummern wollte und benutzten Instrumente, die exakt zu den jeweiligen Schauplätzen der Lieder passten", blickt sie erfreut auf die Sessions zurück.

Erneut verließ sich die Musikerin auf ihren Ehemann und dessen Partner Marcel van Limbeek als Toningenieure. "Diese Zusammenarbeit ist ein Gefühl, als hätte ich eine ständige Affäre mit meinem eigenen Mann. Es ist wunderschön, mit jemandem kreativ zu sein, der mich wirklich fordert, und für den ich dabei noch leidenschaftliche Gefühle hege."

Amos, die bis heute mehr als zwölf Millionen Alben absetzen konnte, gehörte zu den Pionieren der zweiten Welle weiblicher Singer/Songwriter. Nicht nur das Publikum unterstützt sie, indem es weiterhin ihre Platten kauft, auch die Musikindustrie erkennt Toris Verdienste an. Seit 1994 wurde sie für bisher acht Grammies (dreimal als "Best Rock Female Vocal" sowie fünfmal als "Best Alternative Music") nominiert. Die Sängerin genießt das Touren fast ebenso sehr wie ihre Zeit im Studio. Am 7. November startet eine große US-Tournee, die ihre Fortsetzung in Europa finden wird. Zusammen mit ihrem Bösendorfer-Piano, Jon Evans und Matt Chamberlain wird sie vertraute Städte genauso wie bisher vernachlässigte Orte ansteuern.

Als Bonus für jeden Fan, der die Platte kauft, gibt es auf dieser einen eingebauten Link, der es ermöglicht, Toris Welttournee von zuhause aus mitzuverfolgen. Amos war schon immer davon beseelt, Fantasien in die Tat umzusetzen, und so bringt die CD nicht nur eine große Menge zusätzlichen Multimedia-Content auf den PC, sie dient gleichermaßen als Portal zu "Scarlet?s Web" ? einer Internetsite, die ausschließlich mittels Sonys einzigartiger Connected-Technologie zugänglich gemacht wird.

Die Website ist in drei Segmente aufgeteilt: Zunächst ist dort "Scarlet´s Map", konzentriert auf die musikalische Reise der Protagonistin des Albums. Es folgt die "Native American Land Map", die sich mit der Ausbreitung und der Geschichte der nordamerikanischen Ureinwohner beschäftigt, und schließlich "Tori?s Tour Map". Hier können die Fans Informationen und Material zur Tournee anschauen sowie an Verlosungen teilnehmen. Es wird eigene Links für spezielle Songs und Hintergründe zu diesen geben, exklusive Musikdateien, Fotos von den Konzerten bzw. speziellen Events, Liedtexte und ein "Behind the scenes"-Video. "Scarlet´s Web" wird regelmäßig upgedatet, so dass wiederkehrende Besucher stetig Neues entdecken können. Was Interpretationen von "Scarlet?s Walk" angeht, ist Amos völlig offen. Sie glaubt fest daran, dass die Songs ein Eigenleben haben und jeder Hörer seine individuelle Beziehung zu ihnen aufbauen kann und muss. "Sicher, es gibt eine vorgegebene Handlung, und vieles an ihr ist relativ detailliert, doch mindestens genauso viele Aspekte sind der Vorstellungskraft des Konsumenten überlassen?"

Heute braucht die Menschheit - nicht nur die US-Bürger - mehr denn je diese Erfahrung einer Liebesbeziehung zu Land und Leuten, zur Seele Amerikas; seien es nun die schönen oder die Schattenseiten. Amos hilft, die wichtigen Fragen zu formulieren, um diese stürmischen Zeiten, die sich uns jetzt offenbaren, zu verstehen, von anderen jedoch seit Hunderten von Jahren ertragen werden müssen. Das Album erinnert Tori, Scarlet und speziell den Hörer an Eines: "What you believe in? it matters now to you and me."

„Ich lege mich ungern fest, um was es in meinen Songs geht, denn sie handeln von so vielen Dingen”, sagt Tori Amos. Tatsächlich behandelt sie Songs wie eigene Geschöpfe. Jeder hat seine eigene Identität, Persönlichkeit und Agenda.
Die Songs ihres neunten Albums „The Beekeeper“ haben eine immanente Dringlichkeit, sie wollen aufrütteln und bewegen, sie sind teils schrille Alarmsirenen und teils sanfte Signallampen in der Dunkelheit. „Es zieht ein Sturm auf am Horizont“, sagt Amos. „Er kommt, mit aller Macht. Er kann emotionaler oder körperlicher Natur sein – oder beides.“
„The Beekeeper“ ist eine Allegorie, ein Gleichnis. Es geht um diesen Sturm und die Reise einer Frau durch ihn hindurch. Das Album ist nicht streng autobiographisch zu verstehen, betont Amos. Dennoch räumt sie ein: „Wenn ich mich nicht zum großen Teil damit identifizieren könnte, könnte ich die Stücke nicht singen.“ Es geht um die Zeit in der wir leben, und darum, wie schwierig es ist, die Wahrheit zu finden in dem Gewirr aus Lügen, Mythen, zufälligen Erkenntnissen und politischen Manipulationen, in dem sich die Vereinigten Staaten verfangen haben. Für Amos haben die Probleme dabei viel weniger mit der Aufsplitterung der Bevölkerung in Bush-Befürworter und Bush-Gegner, in Republikaner und Demokraten zu tun, sondern viel mehr damit, wie Macht, Glaube und Beziehungen in den USA benutzt und missbraucht wurden.
„`Scarlet’s Walk`, mein letztes Album war stark durch meine indianischen Wurzeln beeinflusst“, sagt Amos. Bei diesem Album war es anders: „Dieser Krise, mit der sich Amerika derzeit konfrontiert sieht, kann ich nur als Christin gegenübertreten. Wenn die Lehre Jesu von Politikern für Manipulationen benutzt wird, muss ich mich als Mitglied der christlichen Kirche damit auseinandersetzen.“
Und Amos verfügt über den entsprechenden spirituellen Hintergrund. Als Tochter eines methodistischen Predigers ist sie im wahrsten Sinne des Wortes in der Kirche groß geworden. Über ihre Kindheit und ihre Beziehung zur Religion spricht sie ausführlich in dem Buch „Tori Amos: Piece by Piece“, das sie zusammen mit der renommierten Musikjournalistin Ann Powers geschrieben hat. Während sie sich für „The Beekeeper“ vorbereitete, beschäftigte sich Amos mit den frühsten Tagen des Christentums. Neben Matthäus, Markus, Lukas und Johannes befasste sie sich auch mit den gnostischen Evangelien der Nag Hammadi Bibliothek, die 1945 in Ägypten entdeckt wurden.
Tori Amos las Elaine Pagels „The Gnostic Gospels” und fragte sich: „Was, wenn wir alle auf dem falschen Weg sind und uns über die Jahrhunderte ohne es zu wissen vom wahren christlichen Glauben entfernt haben?” Besonders beeindruckt war sie von der These, dass die Lehre Jesu in der Überlieferung nach und nach modifiziert und die Verdienste der Frau in der Entwicklung des Christentums sukzessive zurück gedrängt worden seien – bis hin zur weitgehenden Verleugnung der Rolle Maria Magdalenas. „Je länger ich mich damit beschäftigt habe, umso mehr ist mir klar geworden, dass es weibliche Propheten gab, Frauen, die ihre eigenen Werke verfasst haben“, sagt sie. „Was mich fasziniert hat war, dass es schon damals eine Art Zensur gab, die entschied, welche Evangelien es wert waren, überliefert zu werden und welche nicht. Die meisten Menschen wissen überhaupt nichts über diese Dinge, denn vor 1700 Jahren war man der Überzeugung, dass Frauen ohnehin nichts zu sagen hätten. Mit solchen Leuten konnte Jesus nichts anfangen.“ Sie lacht. „Das ist, als würde man Jimi-Hendrix-Songs spielen wollen, aber ohne die Gitarren.“
„Hier geht es nicht um den DaVinciCode,” fügt sie hinzu. Ihre theoretische Grundlage umfasst sehr viel mehr. „Es gibt so viele mythische Archetypen, mit denen ich auf `The Beekeeper` spiele. Unterschiedliche Bienenköniginnen verschiedener Mythologien, egal ob es Sekhmet, Kuan-Yin, Freya oder Königin Maeve ist.“
Es ist also keine Überraschung, dass es auf „The Beekeeper” darum geht, verschiedene gegensätzliche Stücke und Ideen zusammenzubringen und Hierarchien und Machtstrukturen in Frage zu stellen. Das Album ist eine facettenreiche Auswahl von Parabeln. Es geht um Themen wie das Geschlechterverhältnis (musikalisch von Amos aufgegriffen, indem sie Klavier und Orgel gleichermaßen spielt, wobei das Klavier traditionell als weibliches Instrument gilt und die Orgel als männliches) oder die Frage, warum wir alle sterben müssen und ob der Tod sich umgehen lässt. Amos’ Protagonistin wird dabei von einem Bienenzüchter, einem Beekeeper, durch die sechs metaphorischen Gärten des Albums geführt.
Amos hat sich schon immer für Bienen interessiert (wir erinnern uns an das Stück „Honey” von der „Hey Jupiter EP”) und hat sich mithilfe von Simon Buxtons Büchern „The Shamanic Way of the Bee: Ancient Wisdom“ und „Healing Practices of the Bee Masters“ in die Materie eingearbeitet. In diesen Büchern beschreibt Buxton die Initiationsrituale der angehenden Bienenzüchter. „Der Züchter fing an, das Gleichgewicht der Natur zu verstehen und begriff, dass die Bienen sich im Garten, dem heiligen Raum der Sexualität und Zeugung bewegen.“
„Als ich die Beschreibung des Bienenzüchters las, wurde mir klar, dass er die kreative, die neutrale Kraft in unserer Geschichte ist.” Keine autoritäre Kraft, der man dienen und gehorchen muss, aber eine die hilft, den Weg zu erleuchten, zu informieren und das Zusammenspiel der Partner im Kreis des Lebens zu erkennen.
„The Beekeeper“ beginnt genau wie eine andere berühmte Garten-Allegorie mit der Konfrontation der Heldin mit einer Frucht. Aber inspiriert vom geheimen Buch Johannes’ existiert bei Amos keine strenge Vaterfigur, die gebietet „Du sollst nicht...“, dafür eine weise Frau namens Sophia, die der Heldin dazu rät, zu essen. „Indem sie vom Baum der Erkenntnis isst, erfährt unsere Heldin all diese Dinge: Leidenschaft, Verrat. All die Emotionen, denen du in einer Partnerschaft ausgesetzt bist. Manche habe ich stärker betont als andere, aber sie kommen alle vor. Und wir haben diese sechs Gärten entwickelt. Die sechs ist dabei eine Referenz an die sechseckige Form der Bienenwaben und natürlich an die sechs Tage, die Gott in der Genesis brauchte, um die Welt zu erschaffen. Biblische Mythologie und die alte Geschichte aus Sicht der Frau sind sehr eng verbunden. Als ich erkannte, dass die Gärten verschiedenen Arten von weiblichen Beziehungen reflektierten, kamen die Songs wie von selbst. Ich musste mich nur noch zurücklehnen und sie nahmen ganz von alleine ihre Form an.“
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