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Turner Biographie

Turner

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Wenn in den vergangenen eineinhalb Jahren geheimnisvolles Tönen aus der Ferne des Turner'schen Studios zu den Ohren seiner Studionachbarn herüberklang, schauten diese sich meist mit Verschwörermiene an und wisperten hervorragenden Katherine-Hepburn-Filmen entnommene Zitate wie "Onkel Paul fuhrwerkt draußen in der Küche herum und braut uns tolle Dinge zusammen". Vor Augen hatte man dann allerdings eher einen umtriebigen Alchemisten, der in bester universalwissenschaftlicher Manier und mit großer Unnachgiebigkeit das Anliegen verfolgt, unvollkommene Materie in einen vollkommenen Zustand zu überführen.

Nach dem 2002 veröffentlichten Album "A Pack of Lies", das schlussendlich wie verdientermaßen auch im Ausland verwundertes Augenreiben zur Folge hatte, fleißigem Touren durch aller Herren Länder und quasi im Vorbeigehen dargebrachten Soundtrackbeiträgen (u.a. "Die fetten Jahre sind vorbei") steht nun mit "Slow Abuse" das vierte Turner-Album kurz vor der Veröffentlichung. Und schon das Eröffnungsstück macht mit angemessenem Nachdruck deutlich, wie oben erwähntes Anliegen umfassend zum Erfolg geführt wurde. Ein Album, auf dem als erste Worte die umwerfenden Zeilen "You love sorrow/And there's nothing I could do about it" zu hören sind, geradezu unaufhaltsam herbeikriechen ("Slow Abuse" eben) und sich in allen auf sie folgenden Tönen einnisten, so ein Album verlagert die so gesetzten Maßstäbe in schwindeln machende Höhen. Der in solchen Zusammenhängen gerne beschworene Fall bleibt jedoch, wie nicht anders zu erwarten war, aus. Turners Musik, die man ohne Umschweife als intimistische Popmusik im besten Sinne bezeichnen kann, schwebt sicher durch die wunderbarsten Schwellenräume, in denen allerhand Transformationen von Beziehungen, Emotionen und Möglichkeiten stattfinden, Leerstellen gefüllt und eben nicht gefüllt werden, ohne dass die Wände bröckeln und die Lilien anfangen zu stinken.

Man lasse sich aber nicht täuschen - unter all diesem Schweben und seiner scheinbaren Fragilität pocht und pockert es mit kraftvoller Bestimmtheit, wabern unbeschreibliche Unzulänglichkeiten und Unwägbarkeiten, als versuche Turner uns möglichst sanft beizubringen, dass es die Nähe eines Abgrundes nicht nur zu

akzeptieren gilt, sondern dass es sich im Angesicht des drohenden Sturzes auch ganz gut leben lässt. Solchermaßen gibt es langsam herbeikriechende Missbrauchsformen, an die wir uns gerne verschwenden, denn es ist ein guter Ort, zu dem sie uns führen.

Schönheit, Intimität und Melancholie (wir Alchemisten sprechen hier lieber von "schwarzer Galle") wären an dieser Stelle ebenfalls naheliegende Begriffe, sollen im Kontext dieses Albums aber entgegen seinem Titel aufgrund ihrer Überstrapaziertheit - ein Umstand, den sie mit fast allen feinen Wörtern teilen - nicht weiter missbraucht werden. "Theoretically, this must be a thing from above" ("Irritated"). Praktisch auch.
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