Uncle Kracker Biographie
Uncle Kracker
72° Fahrenheit, das sind etwa 22° Celsius. Und wenn man vom Wetter spricht, dann wird jeder zustimmen, dass das die optimale Temperatur ist. Warm genug, um ein kleines bißchen Bräune zu ergattern, aber nicht so heiß, dass man ins Schwitzen kommt. Gut genug, um raus zu gehen, aber nicht so drückend, dass man sich nicht mehr bewegen kann. 72 & Sunny heißt auch das dritte UNCLE KRACKER-Album. UNCLE KRACKER macht gutes Wetter.
13 Tracks auf dem Album UNCLE KRACKERS schicken sich an, die Wolken zu vertreiben. Dabei greift der ehemalige Kid Rock-DJ, der immer noch gern mal die Turntables bei seinem Buddy bedient, auf sein herausragendes Songwriting zurück, das er mit den Alben-Double Wide (2000, US-Doppelplatin) und No Stranger To Shame (2002, Billboard-#1) so grandios ausfeilte. Speziell die Single Follow Me wurde dabei ein weltweiter Erfolg, der es auch hierzulande auf Verkaufzahlen von einer halben Million Exemplare, und damit auf Platin, brachte und satte 12 Wochen die Nummer 1 der Airplaycharts besetzte.
72 & Sunny zeigt UNCLE KRACKER reifer denn je, und seine Überblendungen von Pop, Rock, County, Blues, Soul und einer Prise Doo-Wop kennzeichnen die starke Persönlichkeit und die in Fleisch und Blut übergegangene Identität als Songwriter. Denn Tatsache ist, an seiner warmen und manchmal rauen Stimme, seinen nöligen, aber doch warmherzigen Phrasierungen erkennt man ihn sofort, den souveränen, lässigen und feinfühligen UNCLE KRACKER.
Produziert wurde das Album wieder in Zusammenarbeit mit Michael Bradford, der auch für den Sound der ersten zwei Alben verantwortlich war und sich mit UNCLE KRACKER in sein Chunky Style Music-Studio zurückzog. Ein wenig zusätzliches Recording fand passenderweise in den Ocean Way-Studios in Nashville statt. Bradford selbst spielte den Großteil der Instrumente ein, mit Ausnahme der Drums, die UNCLE KRACKERs Tourdrummer Jerome Day und Session-Legende Russ Kunkel übernahmen. Zudem fand sich der Country-Superstar Kenny Chesney im Studio ein, um auf Last Night Again ein Duett mit UNCLE KRACKER abzuliefern. Damit revanchierte er sich für dessen Einsatz auf When The Sun Goes Down, mit dem Chesney jüngst einen Number-1-Hit landen konnte. Außerdem standen Bret Michaels (Poison), Nashville-Leuchte Phil Vassar und die Grammy- und Oscar-Ausgezeichnete Diane Warren, die UNCLE KRACKER die erste Single Rescue auf den Leib schrieb, auf der Gästeliste.
72 & Sunny eröffnete dem Mann, der nach eigener Aussage, „Songs schreiben kann, die die ganze Welt zum lachen oder weinen bringen können“, neue kreative Wege. Mit Geschichten um verlorene oder wiedergewonnene Liebe, Vergebung und gute Zeiten hat 72 & Sunny ein erzählerisch-musikalisches Level erreicht, das man heute nur noch selten findet. Die Vorhersage ist blendend, ohne Frage.
Wolltet ihr auf 72 & Sunny etwas Bestimmtes erreichen?
Wir hatten nichts besonderes im Sinn, außer uns auf das Songwriting zu besinnen und ein paar gute Songs zu schreiben. Ich wollte eine wärmere Atmosphäre und wärmer klingende Songs, ja. Aber es gab keinen Masterplan oder so. Wir wollten wirklich bei dem bleiben, was wir am liebsten mögen. Ich wollte eine Platte machen, die auch vor zehn Jahren hätte gemacht werden können. Oder erst in zehn Jahren. Das ist es, was wir wollten.
Das Album ist sehr musikalisch. Es gibt kaum Hardrock- oder HipHop-Elemente so wie auf den ersten Alben.
Das stimmt. Das ist lustig, denn als ich anfing, hielten mich alle für einen Rapper. Jetzt bin ich ein „Songwriter“ (lacht). Ich habe aber kaum noch das Bedürfnis zu rappen. Ich weiß nicht warum, vielleicht, weil ich es so sehr liebe. Dieses Mal jedenfalls war das Thema für mich anscheinend durch.
Denkst du, du hast einen speziellen UNCLE KRACKER-Sound etabliert?
Ich will nicht sagen, dass ich meine eigene Nische gefunden habe, weil ich nicht weiß, ob es so ist. Aber ich habe mich selbst gefunden, das heißt, ich fühle mich wohler mit dieser Art von Easy-Listening- und Autofahrmusik. Ich habe ein paar Artikel gelesen und mit Leuten gesprochen, die sagen, ohne UNCLE KRACKER und Follow Me hätte das Radio nie John Mayer oder Jazon Mraz gespielt und ähnliches Blabla. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber auf jeden Fall ist da etwas, was unser „eigenes Ding“ ist.
Wie würdest du dein Songwriting beschreiben?
Ich mag Songs, in denen der Refrain oft wiederholt wird, wie bei Bob Segers „Like A Rock“. Bob (d.i.: Kid Rock) macht sich immer über mich lustig, weil ich den Leuten angeblich meine Refrains um die Ohren haue. Aber ich bin mit diesen alten Motown-Sachen aufgewachsen und mit Classic Rock, Country und Rap, wo die Refrains immer wieder kommen und das einzige sind, was hängen bleibt. So habe ich auf meinem ersten Album auch mit den Refrains angefangen. Ich glaub, das ist das einzige, was ich machen kann.
Wieviel von 72 & Sunny erzählt aus deinem eigenen Leben?
Alles. Das letzte Jahr gab es bei mir und meiner ganzen Familie ziemlich viel Durcheinander. Ich habe beinahe eine Scheidung durchmachen müssen. Meine Eltern haben sich auch fast scheiden lassen. Mein Bruder hat eine Scheidung durchgezogen. Es fing schon an, eine Woche bevor No Stranger To Shame herauskam. Also geht es auf 72 & Sunny vor allem darum: ein verrücktes Jahr, dass mich über viele Sachen nachdenken ließ. Ich hatte keine andere Wahl. Ich konnte über nichts anderes schreiben.
Die erste Single Rescue passt dazu, auch wenn sie von Diane Warren geschrieben wurde.
Oh Mann, genau, nicht wahr? Sie schob mir den Song rüber, direkt nachdem meine Frau und ich unsere Scheidung abgesagt hatten. Ungefähr ein Monat danach rief Diane mich an und sagte: „Ich hab deinen Song. Der ist dafür da, dass du ihn singst. Niemand sonst.“ Ich hörte ihn mir an und dachte: „Wow, der könnte von mir sein.“ Ich meine, wenn ich zu jener Zeit einen Song hätte schreiben können, wäre es genau dieser gewesen. Ich wünschte sogar heute noch, ich hätte ihn selbst geschrieben, um ehrlich sein.
72 & Sunny ist das erste Album, dass du in einem richtigen Studio aufgenommen hast, oder?
Ja, stimmt. Das erste Album entstand im Tourbus, das zweite über dem Büro meines Anwalts. Wir haben uns nie sonderlich darum gekümmert, den ganz besonders tollen Gitarrensound oder den super Drummix hinzukriegen, so wie man es normalerweise im Studio macht. Also dachten wir, diesmal machen wir es ganz ‚normal’ (lacht) und gucken was da bei rauskommt. Ich mochte das, aber alles war genau wie vorher, dieselbe Art zu spielen, dieselbe Art zu schreiben und alles auf dieselbe Art. Aber ich bin mit 72 & Sunny noch zufriedener als mit den beiden anderen Alben.
Dies ist das dritte Album mit Michael Bradford. Was trägt er zu dem Album bei?
Mike ist besonders großartig, weil er dich davon abhält, zuviel nachzudenken, denn wenn du das tust, wirst du nie mit einem Album fertig. Ich bin einer von jenen die sagen: „Mein Gott, das ist noch nicht fertig, wir müssen die Vocals nochmal machen. Wir müssen alles mögliche rausnehmen und dies und das nochmal umschreiben. Und Mike, als Producer, hat immer nur gesagt: „Warte. Lass uns erst den nächsten Song anfangen.“ ich brauche jemanden wie ihn. sonst werde ich nie fertig.
Kenny Chesney singt ein Duett mit dir auf „Last Night Again“, und du hast auf seinem Song „When The Sun Goes Down“ mitgesungen. Woher kommt es, dass euer Publikum für beide Seiten so offen ist?
Ich glaube, dass es sich zum bestimmten Grad um dasselbe Publikum handelt. Viele College-Kids, viele Frauen. Jedesmal wenn ich als Gast in seine Shows komme, kennen sie jedes Wort meiner Songs, Mann.
Es gibt eine Menge Berührungen mit Country in deiner Musik, besonders auf 72 & Sunny.
Ja, gibt es. Ich glaube nicht, dass wir wirklich in der Country-Szene Fuß fassen könnten. Nashville würde das auch nicht erlauben, wenn du weißt, was ich meine. Aber ich mag Country, und ich mag Nashville, denn da geht es immer um den Songwriter. Und alle kennen alle Chartpositionen und wer was macht. Ich glaube, man erkennt mich in Nashville mehr auf der Straße als irgendwo sonst.
Also hast du dich als Songwriter in den letzten vier Jahren, seit „Double Wide“ erschien, wohl gefühlt?
Oh Gott, völlig. Als ich anfing hate ich keine Ahnung, was passieren würde. Jetzt scheine ich einen Markt gefunden zu haben. Ich habe eine Nische gefunden. Ich bin damit zufrieden mit dem was draußen damit passiert. Und ich bin froh, dass ich lang genug dabei geblieben bin, um mir eine Nische zu schaffen, und dass ich jetzt mein drittes Album aufnehme und mir keine Sorgen machen muss oder so. Ich tue was ich tue, und an vielmehr denke ich dabei nicht.
72 & Sunny Track By Track
Last Night Again
Den Song habe ich von Bob (Kid Rock) geklaut. Die ursprüngliche Situation war die, dass er mit DMC von Run DMC in Nashville herumhing. Abends zogen sie los, und Mann, sie brannten echt an beiden Enden. Am nächsten Morgen macht DMC ein Bier auf und sagt. „Mann, ich kann nicht glauben, dass wir schon wieder Gestern Abend haben.“ Bob sagte sofort, dass er aus dem Statement mal einen Song machen wird. Ich hab dann den Track geschrieben, und ihm eine Email geschickt, in der ich geschrieben hatte: „Ich klaue Last Night Again. Nur damit Du’s weißt und nicht sauer wirst.“. Er schrieb zurück: „Es ist besser, um Vergebung zu bitten als um Erlaubnis“, und ich schrieb: „Ich bitte nicht um Erlaubnis, ich sag dir, dass der Song mir gehört!“. Auf der Aufnahme hört man Bret Michaels von Poison und Phil Vassar, der mit mir und Kenny die Harmonies singt.
This Time
Das ist ein Gute Laune-Song darüber, wie man sich in einem Moment gegenseitig mal an die Kehle geht und in der nächsten dann nicht mehr. Manchmal sehen Sachen eine zeitlang ganz mies aus und plötzlich nicht mehr. Als ob am Ende immer alles gut wird. Jedenfalls diesmal.
Further Down The Road
In diesem Song geht’s um meine Verfasssung, darüber wie ich mich heute fühle. Alles ist alles, und es gibt sonst nichts zu berichten. Das ist die Situation auf den Punkt gebracht. Das ist der Song, bei dem ich froh darüber sein werde, dass ich ihn geschrieben habe, falls ich ab sofort nie wieder etwas schreiben würde. Es fasst meine Person wirklich in einem Song zusammen. Ich hab das Gefühl, ich sage nicht viel und ich muss auch nicht viel sagen, aber alles was ich sagen muss, ist in einem Song.
Rescue
Diane Warren hat Rescue geschrieben. Sie rief mich aus dem Nichts an und sagte: „Ich habe deinen Song geschrieben. Das ist dein Song. Keiner sonst kann ihn machen.“ Es ist mein ultimativer „Nimm mich zurück“-Song. Ich wünschte, ich hätte ihn selbst geschrieben, verdammt.
Songs About Me, Songs About You
Du kannst fast riechen, wenn die Sache mit den Scheidungspapieren losgeht. Dieser Song wurde definitiv geschrieben als alles anfing. Ich bin durch alle Gefühle gegangen, die der Mensch kennt, und die habe ich hier reingepackt. Es gibt auch Sachen, die wir ausgelassen haben, als wir uns entschieden, den Song auf das Album zu bringen. Ich will niemanden mit der Nase reinstoßen. Jedenfalls jetzt noch nicht.
Don’t Know How (Not To Love You)
Ich habe den Song mit einem Typ zusammen geschrieben, der Frank Myers heißt und eine Menge Country-Zeug komponiert. Das war in derselben Woche, in der auch Songs About Me, Songs About You entstand. Ich habe Frank durch Mike Bradford kennengelernt.
Some Things You Can’t Take back
Vielleicht habe ich diesen Song über Reue geschrieben, obwohl ich in Songs About Me, Songs About You sage, dass ich keine Reuegefühle habe.
A Place At My Table
Bradford schickte mir diesen Song, den Countrysong, den er geschrieben hatte, und ich dachte: „Okay, ich überarbeite ihn.“ Ich dachte daran wie ich aufgewachsen bin und diese ganze Motown-Sache und dass mein Dad die ganze Zeit Motown-Musik gehört hat. Selbst, wenn wir bei der Gartenarbeit waren, standen da Lautsprecherboxen an den Fenstern, aus denen Motown-Musik in den Garten schallte. Und wenn’s nicht Motown war, waren es Patsy Cline und George Jones.
What Do We Want (From Each Other)
Das geht’s nochmal um Selbsterkenntnis – wo hab ich es versaut? Wo habe ich Fehler gemacht? Sag mir, was du denkst. Okay, ich nehms mir zu Herzen, ich nehms mir zu Herzen, ich nehms mir zu Herzen! Uncle! Ich geb auf!
Blues Man
Dasselbe, was ich oft mache – „Hier bin ich und ich hab nichts zu sagen!“. Die Presse reibt mich so auf. Die meisten Sachen, die ich lese, zerstören mich irgendwie. Aber das ist keine Attacke gegen jemanden. Es sagt nur, dass ich nichts zu sagen habe, wirklich. Nichts zu oder über jemanden oder irgendwas.
Please Come Home
Den Song habe ich mit dem Keyboarder Mark Myers zusammen geschrieben. Er kam mit dieser Idee rein und und wir brauchten noch einen Song für das Album, und ich hatte das Gefühl, dass man aus diesem Song was machen konnte. Ich machte die zweite Strophe fertig und baute ein paar Nan-na-nas und die Talking-Bridges mit ein, wie bei einem alten Doo-Wop-Song.
You’re Not Free
Jeder hatte an der High-School ein paar Freunde, die nur herumhingen und gar nichts machten. Heute sieht man sie und sie machen immer noch nichts und haben keinen Job. Sie sind frei und kümmern sich nicht um die Welt. Wahrscheinlich war ein Teil von mir ein bißchen neidisch, aber der größere Teil dachte nur: „Werdet endlich erwachsen, verdammt nochmal.“
Writing It Down
Mike Bradford schrieb den Song allein. Ursprünglich sollte es ein Song für einen Filmsoundtrack sein, den er geschrieben hatte, aber er passte nicht dazu. Aber als ich ihn gehört hatte, sagte ich: „Der Song ist klasse, ich brauche den für das Album. Die Streicher aufzunehmen war ein echter Trip. Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich den Song höre.
13 Tracks auf dem Album UNCLE KRACKERS schicken sich an, die Wolken zu vertreiben. Dabei greift der ehemalige Kid Rock-DJ, der immer noch gern mal die Turntables bei seinem Buddy bedient, auf sein herausragendes Songwriting zurück, das er mit den Alben-Double Wide (2000, US-Doppelplatin) und No Stranger To Shame (2002, Billboard-#1) so grandios ausfeilte. Speziell die Single Follow Me wurde dabei ein weltweiter Erfolg, der es auch hierzulande auf Verkaufzahlen von einer halben Million Exemplare, und damit auf Platin, brachte und satte 12 Wochen die Nummer 1 der Airplaycharts besetzte.
72 & Sunny zeigt UNCLE KRACKER reifer denn je, und seine Überblendungen von Pop, Rock, County, Blues, Soul und einer Prise Doo-Wop kennzeichnen die starke Persönlichkeit und die in Fleisch und Blut übergegangene Identität als Songwriter. Denn Tatsache ist, an seiner warmen und manchmal rauen Stimme, seinen nöligen, aber doch warmherzigen Phrasierungen erkennt man ihn sofort, den souveränen, lässigen und feinfühligen UNCLE KRACKER.
Produziert wurde das Album wieder in Zusammenarbeit mit Michael Bradford, der auch für den Sound der ersten zwei Alben verantwortlich war und sich mit UNCLE KRACKER in sein Chunky Style Music-Studio zurückzog. Ein wenig zusätzliches Recording fand passenderweise in den Ocean Way-Studios in Nashville statt. Bradford selbst spielte den Großteil der Instrumente ein, mit Ausnahme der Drums, die UNCLE KRACKERs Tourdrummer Jerome Day und Session-Legende Russ Kunkel übernahmen. Zudem fand sich der Country-Superstar Kenny Chesney im Studio ein, um auf Last Night Again ein Duett mit UNCLE KRACKER abzuliefern. Damit revanchierte er sich für dessen Einsatz auf When The Sun Goes Down, mit dem Chesney jüngst einen Number-1-Hit landen konnte. Außerdem standen Bret Michaels (Poison), Nashville-Leuchte Phil Vassar und die Grammy- und Oscar-Ausgezeichnete Diane Warren, die UNCLE KRACKER die erste Single Rescue auf den Leib schrieb, auf der Gästeliste.
72 & Sunny eröffnete dem Mann, der nach eigener Aussage, „Songs schreiben kann, die die ganze Welt zum lachen oder weinen bringen können“, neue kreative Wege. Mit Geschichten um verlorene oder wiedergewonnene Liebe, Vergebung und gute Zeiten hat 72 & Sunny ein erzählerisch-musikalisches Level erreicht, das man heute nur noch selten findet. Die Vorhersage ist blendend, ohne Frage.
Wolltet ihr auf 72 & Sunny etwas Bestimmtes erreichen?
Wir hatten nichts besonderes im Sinn, außer uns auf das Songwriting zu besinnen und ein paar gute Songs zu schreiben. Ich wollte eine wärmere Atmosphäre und wärmer klingende Songs, ja. Aber es gab keinen Masterplan oder so. Wir wollten wirklich bei dem bleiben, was wir am liebsten mögen. Ich wollte eine Platte machen, die auch vor zehn Jahren hätte gemacht werden können. Oder erst in zehn Jahren. Das ist es, was wir wollten.
Das Album ist sehr musikalisch. Es gibt kaum Hardrock- oder HipHop-Elemente so wie auf den ersten Alben.
Das stimmt. Das ist lustig, denn als ich anfing, hielten mich alle für einen Rapper. Jetzt bin ich ein „Songwriter“ (lacht). Ich habe aber kaum noch das Bedürfnis zu rappen. Ich weiß nicht warum, vielleicht, weil ich es so sehr liebe. Dieses Mal jedenfalls war das Thema für mich anscheinend durch.
Denkst du, du hast einen speziellen UNCLE KRACKER-Sound etabliert?
Ich will nicht sagen, dass ich meine eigene Nische gefunden habe, weil ich nicht weiß, ob es so ist. Aber ich habe mich selbst gefunden, das heißt, ich fühle mich wohler mit dieser Art von Easy-Listening- und Autofahrmusik. Ich habe ein paar Artikel gelesen und mit Leuten gesprochen, die sagen, ohne UNCLE KRACKER und Follow Me hätte das Radio nie John Mayer oder Jazon Mraz gespielt und ähnliches Blabla. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber auf jeden Fall ist da etwas, was unser „eigenes Ding“ ist.
Wie würdest du dein Songwriting beschreiben?
Ich mag Songs, in denen der Refrain oft wiederholt wird, wie bei Bob Segers „Like A Rock“. Bob (d.i.: Kid Rock) macht sich immer über mich lustig, weil ich den Leuten angeblich meine Refrains um die Ohren haue. Aber ich bin mit diesen alten Motown-Sachen aufgewachsen und mit Classic Rock, Country und Rap, wo die Refrains immer wieder kommen und das einzige sind, was hängen bleibt. So habe ich auf meinem ersten Album auch mit den Refrains angefangen. Ich glaub, das ist das einzige, was ich machen kann.
Wieviel von 72 & Sunny erzählt aus deinem eigenen Leben?
Alles. Das letzte Jahr gab es bei mir und meiner ganzen Familie ziemlich viel Durcheinander. Ich habe beinahe eine Scheidung durchmachen müssen. Meine Eltern haben sich auch fast scheiden lassen. Mein Bruder hat eine Scheidung durchgezogen. Es fing schon an, eine Woche bevor No Stranger To Shame herauskam. Also geht es auf 72 & Sunny vor allem darum: ein verrücktes Jahr, dass mich über viele Sachen nachdenken ließ. Ich hatte keine andere Wahl. Ich konnte über nichts anderes schreiben.
Die erste Single Rescue passt dazu, auch wenn sie von Diane Warren geschrieben wurde.
Oh Mann, genau, nicht wahr? Sie schob mir den Song rüber, direkt nachdem meine Frau und ich unsere Scheidung abgesagt hatten. Ungefähr ein Monat danach rief Diane mich an und sagte: „Ich hab deinen Song. Der ist dafür da, dass du ihn singst. Niemand sonst.“ Ich hörte ihn mir an und dachte: „Wow, der könnte von mir sein.“ Ich meine, wenn ich zu jener Zeit einen Song hätte schreiben können, wäre es genau dieser gewesen. Ich wünschte sogar heute noch, ich hätte ihn selbst geschrieben, um ehrlich sein.
72 & Sunny ist das erste Album, dass du in einem richtigen Studio aufgenommen hast, oder?
Ja, stimmt. Das erste Album entstand im Tourbus, das zweite über dem Büro meines Anwalts. Wir haben uns nie sonderlich darum gekümmert, den ganz besonders tollen Gitarrensound oder den super Drummix hinzukriegen, so wie man es normalerweise im Studio macht. Also dachten wir, diesmal machen wir es ganz ‚normal’ (lacht) und gucken was da bei rauskommt. Ich mochte das, aber alles war genau wie vorher, dieselbe Art zu spielen, dieselbe Art zu schreiben und alles auf dieselbe Art. Aber ich bin mit 72 & Sunny noch zufriedener als mit den beiden anderen Alben.
Dies ist das dritte Album mit Michael Bradford. Was trägt er zu dem Album bei?
Mike ist besonders großartig, weil er dich davon abhält, zuviel nachzudenken, denn wenn du das tust, wirst du nie mit einem Album fertig. Ich bin einer von jenen die sagen: „Mein Gott, das ist noch nicht fertig, wir müssen die Vocals nochmal machen. Wir müssen alles mögliche rausnehmen und dies und das nochmal umschreiben. Und Mike, als Producer, hat immer nur gesagt: „Warte. Lass uns erst den nächsten Song anfangen.“ ich brauche jemanden wie ihn. sonst werde ich nie fertig.
Kenny Chesney singt ein Duett mit dir auf „Last Night Again“, und du hast auf seinem Song „When The Sun Goes Down“ mitgesungen. Woher kommt es, dass euer Publikum für beide Seiten so offen ist?
Ich glaube, dass es sich zum bestimmten Grad um dasselbe Publikum handelt. Viele College-Kids, viele Frauen. Jedesmal wenn ich als Gast in seine Shows komme, kennen sie jedes Wort meiner Songs, Mann.
Es gibt eine Menge Berührungen mit Country in deiner Musik, besonders auf 72 & Sunny.
Ja, gibt es. Ich glaube nicht, dass wir wirklich in der Country-Szene Fuß fassen könnten. Nashville würde das auch nicht erlauben, wenn du weißt, was ich meine. Aber ich mag Country, und ich mag Nashville, denn da geht es immer um den Songwriter. Und alle kennen alle Chartpositionen und wer was macht. Ich glaube, man erkennt mich in Nashville mehr auf der Straße als irgendwo sonst.
Also hast du dich als Songwriter in den letzten vier Jahren, seit „Double Wide“ erschien, wohl gefühlt?
Oh Gott, völlig. Als ich anfing hate ich keine Ahnung, was passieren würde. Jetzt scheine ich einen Markt gefunden zu haben. Ich habe eine Nische gefunden. Ich bin damit zufrieden mit dem was draußen damit passiert. Und ich bin froh, dass ich lang genug dabei geblieben bin, um mir eine Nische zu schaffen, und dass ich jetzt mein drittes Album aufnehme und mir keine Sorgen machen muss oder so. Ich tue was ich tue, und an vielmehr denke ich dabei nicht.
72 & Sunny Track By Track
Last Night Again
Den Song habe ich von Bob (Kid Rock) geklaut. Die ursprüngliche Situation war die, dass er mit DMC von Run DMC in Nashville herumhing. Abends zogen sie los, und Mann, sie brannten echt an beiden Enden. Am nächsten Morgen macht DMC ein Bier auf und sagt. „Mann, ich kann nicht glauben, dass wir schon wieder Gestern Abend haben.“ Bob sagte sofort, dass er aus dem Statement mal einen Song machen wird. Ich hab dann den Track geschrieben, und ihm eine Email geschickt, in der ich geschrieben hatte: „Ich klaue Last Night Again. Nur damit Du’s weißt und nicht sauer wirst.“. Er schrieb zurück: „Es ist besser, um Vergebung zu bitten als um Erlaubnis“, und ich schrieb: „Ich bitte nicht um Erlaubnis, ich sag dir, dass der Song mir gehört!“. Auf der Aufnahme hört man Bret Michaels von Poison und Phil Vassar, der mit mir und Kenny die Harmonies singt.
This Time
Das ist ein Gute Laune-Song darüber, wie man sich in einem Moment gegenseitig mal an die Kehle geht und in der nächsten dann nicht mehr. Manchmal sehen Sachen eine zeitlang ganz mies aus und plötzlich nicht mehr. Als ob am Ende immer alles gut wird. Jedenfalls diesmal.
Further Down The Road
In diesem Song geht’s um meine Verfasssung, darüber wie ich mich heute fühle. Alles ist alles, und es gibt sonst nichts zu berichten. Das ist die Situation auf den Punkt gebracht. Das ist der Song, bei dem ich froh darüber sein werde, dass ich ihn geschrieben habe, falls ich ab sofort nie wieder etwas schreiben würde. Es fasst meine Person wirklich in einem Song zusammen. Ich hab das Gefühl, ich sage nicht viel und ich muss auch nicht viel sagen, aber alles was ich sagen muss, ist in einem Song.
Rescue
Diane Warren hat Rescue geschrieben. Sie rief mich aus dem Nichts an und sagte: „Ich habe deinen Song geschrieben. Das ist dein Song. Keiner sonst kann ihn machen.“ Es ist mein ultimativer „Nimm mich zurück“-Song. Ich wünschte, ich hätte ihn selbst geschrieben, verdammt.
Songs About Me, Songs About You
Du kannst fast riechen, wenn die Sache mit den Scheidungspapieren losgeht. Dieser Song wurde definitiv geschrieben als alles anfing. Ich bin durch alle Gefühle gegangen, die der Mensch kennt, und die habe ich hier reingepackt. Es gibt auch Sachen, die wir ausgelassen haben, als wir uns entschieden, den Song auf das Album zu bringen. Ich will niemanden mit der Nase reinstoßen. Jedenfalls jetzt noch nicht.
Don’t Know How (Not To Love You)
Ich habe den Song mit einem Typ zusammen geschrieben, der Frank Myers heißt und eine Menge Country-Zeug komponiert. Das war in derselben Woche, in der auch Songs About Me, Songs About You entstand. Ich habe Frank durch Mike Bradford kennengelernt.
Some Things You Can’t Take back
Vielleicht habe ich diesen Song über Reue geschrieben, obwohl ich in Songs About Me, Songs About You sage, dass ich keine Reuegefühle habe.
A Place At My Table
Bradford schickte mir diesen Song, den Countrysong, den er geschrieben hatte, und ich dachte: „Okay, ich überarbeite ihn.“ Ich dachte daran wie ich aufgewachsen bin und diese ganze Motown-Sache und dass mein Dad die ganze Zeit Motown-Musik gehört hat. Selbst, wenn wir bei der Gartenarbeit waren, standen da Lautsprecherboxen an den Fenstern, aus denen Motown-Musik in den Garten schallte. Und wenn’s nicht Motown war, waren es Patsy Cline und George Jones.
What Do We Want (From Each Other)
Das geht’s nochmal um Selbsterkenntnis – wo hab ich es versaut? Wo habe ich Fehler gemacht? Sag mir, was du denkst. Okay, ich nehms mir zu Herzen, ich nehms mir zu Herzen, ich nehms mir zu Herzen! Uncle! Ich geb auf!
Blues Man
Dasselbe, was ich oft mache – „Hier bin ich und ich hab nichts zu sagen!“. Die Presse reibt mich so auf. Die meisten Sachen, die ich lese, zerstören mich irgendwie. Aber das ist keine Attacke gegen jemanden. Es sagt nur, dass ich nichts zu sagen habe, wirklich. Nichts zu oder über jemanden oder irgendwas.
Please Come Home
Den Song habe ich mit dem Keyboarder Mark Myers zusammen geschrieben. Er kam mit dieser Idee rein und und wir brauchten noch einen Song für das Album, und ich hatte das Gefühl, dass man aus diesem Song was machen konnte. Ich machte die zweite Strophe fertig und baute ein paar Nan-na-nas und die Talking-Bridges mit ein, wie bei einem alten Doo-Wop-Song.
You’re Not Free
Jeder hatte an der High-School ein paar Freunde, die nur herumhingen und gar nichts machten. Heute sieht man sie und sie machen immer noch nichts und haben keinen Job. Sie sind frei und kümmern sich nicht um die Welt. Wahrscheinlich war ein Teil von mir ein bißchen neidisch, aber der größere Teil dachte nur: „Werdet endlich erwachsen, verdammt nochmal.“
Writing It Down
Mike Bradford schrieb den Song allein. Ursprünglich sollte es ein Song für einen Filmsoundtrack sein, den er geschrieben hatte, aber er passte nicht dazu. Aber als ich ihn gehört hatte, sagte ich: „Der Song ist klasse, ich brauche den für das Album. Die Streicher aufzunehmen war ein echter Trip. Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich den Song höre.
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