CD Kritik
Der Ghetto - Goethe präsentiert seinen neuen Gedichtband
Der Ghetto - Goethe präsentiert seinen neuen Gedichtband
Der Mann mit der Maske ist wieder da und hat haufenweise verstrahlte Stories im Gepäck. Nach einem wunderbaren Hörspielintro, das von einer markanten Synchronstimme gesprochen wird, legt Sido richtig los. Eher durchschnittlich ist der Track „Wieder zurück“´. Hier feiert sich Sido zum hundertstens Mal selbst ab. Kein schlechter Track, nur ist es er ungefähr so überraschend wie ein Liebeslied von Castingsstars. Ausgeglichen wird dieses Mittelmaß durch den darauf folgenden Track „Halt Dein Maul“. Anarchisch, fertig und überheblich rät Sido zahlreichen Figuren aus seinem Umfeld auch mal zu schweigen. Egal, ob Ärzte, Lehrer, Staatsanwaltschaft oder Politiker; wie ein tollwütiger Büttenredner spuckt er Zeilen in alle Richtungen. „Frau Merkel ruft mich und sagt ihr platzt die Schädeldecke/Ich mach ihr erst einmal ein Kompliment: schöne Tränensäcke!“ Noch besser, oder eher gesagt psychopathischer, wird es beim nachfolgenden Stück. Wenn Sido mit einem imaginären Dialog die Macht beschreibt, die seine Maske über ihn hat, findet das Album seinen kreativen Höhepunkt. Explosive Energie bietet „Pack schlägt sich“. Auf einem mächtigen Beat bieten Sido & Azad Battlerhymes vom Feinsten. Wieder mit von der Partie sind die alten Bekannten „Peilermann & Flow“ die mit der gewohnten Dittsche – Weisheit die Inhalte der Tracks analysieren. Das perlt! Skurrilen Humor bietet Sido bei seiner Popperparodie „Carmen“. Hier erzählt er die Geschichte eines Koksers, der sich in eine Prostituierte verliebt. Heftige Lachanfälle entern das Zwerchfell, wenn Sido über einen schmalzigen Beat Zeilen singt, die sich mit Billigraps abwechseln. Sehr, sehr schön. Fast möchte man beim Anhören des Albums ein lang gezogenes „Hach….ist das schön“ von sich geben, während der Zeigefinger Tränen der Rührung aus dem Auge wischt.. Ja wäre da nicht „Jeder kriegt was er verdient“ feat. Tony D. Warum nur zur Hölle lässt sich Sido mit so einem untalentierten Rumbrüller ein? Vollkommen unterirdische Zeilen sind das Resultat dieser Kollabo. Genauso überflüssig wie dieser jämmerliche Track, sind die lang gezogenen Furzsamples bei „Scheiß drauf“. Wenn man von solchen Verirrungen absieht, kann man das Album ohne jeden Zweifel als bisher bestes Sido Album bezeichnen. Dreckig wie Charlotte Roche, schräg wie Helge Schneider und poetisch wie ein Ghetto – Goethe liefert Sido ein starkes Album ab.




