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CD Kritik

Genre-Zeitreise durch die Gegenwart

Donnerstag, 23. Oktober 2008, 17:36 Uhr

Genre-Zeitreise durch die Gegenwart

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Vielleicht ist der Name Alexander Veljanov nicht jedem ein Begriff. Erwähnt man jedoch den Namen Deine Lakaien, dürfte es bei den meisten klingeln. Veljanov, der Sänger des kongenialen Duos, meldet sich nach vier Jahren musikalischer Abstinenz mi

Vielleicht ist der Name Alexander Veljanov nicht jedem ein Begriff. Erwähnt man jedoch den Namen Deine Lakaien, dürfte es bei den meisten klingeln. Veljanov, der Sänger des kongenialen Duos, meldet sich nach vier Jahren musikalischer Abstinenz mit einem Solo-Longplayer namens „Porta Macedonia“ zurück. Die unverwechselbare tiefe, warme Stimme Veljanovs ist nicht für Fans der Genres DarkWave und Gothic mit einem hohen Wiedererkennungswert behaftet. Mit seinem nunmehr dritten Soloalbum ist Veljanov zwar seinen musikalischen Wurzeln treu geblieben, doch klingen auch hier die avantgardistischen Ambitionen, die schon bei Deine Lakaien hervortraten, durch. Denn in seiner vierjährigen Pause hat Veljanov sich in seine Heimat Mazedonien zurückgezogen und sich ungetrübt von Druck und Erwartung der Plattenfirmen der Musik hingegeben. Porta Macedonia heißt das bedeutungsschwangere Ergebnis seiner vierjährigen Kontemplation. Wie bereits der Titel erahnen lässt, integriert Veljanov in seine elektronisch bis rockigen Songs auch Balkanklänge und Folklore-Elemente seiner Heimat. Was zunächst wie ein unvereinbares Genre-Gewitter klingt, weiß letztlich auf breiter Spur zu überzeugen. Denn Veljanov findet eine geniale Balance zwischen den Stilelementen. Einen wohl nicht unwesentlichen Anteil daran dürfte Goran Trajkovski gehabt haben, der bereits mit seiner Filmmusik für den oscar-nominierten Streifen „Before The Rain“ (1995) international auf sich aufmerksam gemacht hat. Trajkovski hat ein feines Gespür dafür, die Tiefen und die unterschiedlichen Klangfarben von Veljanovs Stimme musikalisch zu untermalen. Bei der Begleitung bedient er sich virtuos choraler Klänge, Granularsynthese, traditionelle Balkanklängen, klassische Streichern als auch elektronischen Beats, die gepaart mit Acid-Elementen ein bewegendes Soundgerüst bilden, das an einigen Stellen Veljanov gar die Show stiehlt. Textlich verarbeitet Veljanov seine in den vier Jahren veränderten Ansichten sowohl in deutscher als auch englischer Sprache: „Das Album enthält viele weltpolitische Gedanken aus der mazedonischen Perspektive und über mich als Mensch.“ Im Rückblick, so resümiert Veljanov, ist es sein „politischstes und privatestes Album“. Ein wenig Glaubhaftigkeit geht einigen Songs aber durch das Lyric-Crossover aus Englisch und Deutsch ab, dass schon bei Bands wie One'>And One eher verhalten aufgenommen wurde. Insgesamt ist Porta Macedonia wie eine Zeitreise durch alle musikalischen Genres – ohne dabei den Geschmack der Zeit zu verfehlen. Der Gesang Veljanovs ist gewohnt überzeugend und die Instrumentierung erfrischend und bewegend.

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