CD Kritik
Konstruktiver Gansgterrap
Konstruktiver Gansgterrap
Der Titel „Paragraph 31“ stammt aus dem Strafgesetzbuch und besagt: „(…) nicht bestraft [wird], wer freiwillig den Versuch aufgibt, einen anderen zu einem Verbrechen zu bestimmen, und eine etwa bestehende Gefahr, dass der andere die Tat begeht, abwendet (…)“. Anders gesagt: Wer einen anderen verrät, kann straffrei davon kommen. Ein Paragraph der bei Yassir blanke Wut freisetzt, da er sich von ehemaligen Weggefährten verraten fühlt, und sein Debütalbum in der Justizvollzugsanstalt aufgenommen hat. Dementsprechend ernst sind auch die Aussagen in den Raps: Freundschaft, Verrat, Depressionen, Drogen und Durchhaltevermögen sind zentrale Motive seines Flows. Aber keineswegs im destruktiven Sinne. Viel mehr sind viele Aussagen („Knastrap“) auch als Warnung davor gemeint, den gleichen Weg zu gehen, den er eingeschlagen hat. Für das Album konnte er hochkarätige Featuregäste gewinnen. Mit dabei sind D-Flame, Harris, Jonesman u.v.m. Die Beats stammen von Phrequincy, Lex Barkey, Brisk Fingaz und M3 & Noyd. Nicht alle werden an diesem Album Gefallen finden – das steht ohne jeden Zweifel fest. Technik und surreale Metaphern, wie man sie beispielsweise von „Kollegah“ kennt, sind so gut wie gar nicht vorhanden. Dafür präsentiert er geradlinigen Straßenrap. Wer nach authentischen Vertretern diese Genres sucht, wird in Yassir einen interessanten Repräsentanten finden.




