CD Kritik
Qualität in Kollektionswahn verpackt
Qualität in Kollektionswahn verpackt
Ist das ein Album? - Nein. Das ist Metallica. Das große, doppelt aufklappbare „Digipack“ inklusive Booklet würde zwar einer neuen Full-Length-Veröffentlichung alle Ehre machen. Trotzdem gehört es nicht zu Metallicas neuem Erfolgsalbum „Death Magnetic“, sondern beherbergt lediglich die zweite Singleauskopplung daraus: „Broken, Beat & Scarred“. Mindestens ebenso schmerzhaft wie der Titel ist hierbei leider das Konzept der Veröffentlichung: Nur einer der drei runden Steckplätze ist belegt. Die ebenfalls zu der „Collector's Edition“ gehörige zweite CD und die Video-DVD muss man separat käuflich erwerben, um „sein einzigartiges Single-Package beisammen“ zu haben. Man könnte sich nun vorsichtig die Frage stellen, ob der Promoter noch alle beisammen hat. Denn für eine Single hätte nun wirklich auch eine 5-Track-Maxi-CD zusammen mit der DVD in einer dezenteren Hülle ausgereicht. Die Metallica – Kritiker, die ohnehin gerne „Ausverkauf!“, „Kommerz!“ und „Abzocke!“ rufen, bekommen hiermit jedenfalls ein Argument allererster Güte ins Haus geliefert. Der Inhalt der Platten, die uns die Herren um James Hetfield hier servieren, ist aber trotz des Kollektionswahns der Plattenfirma absolut feinste Metallkost. „Broken, Beat & Scarred“ ist ein einfallsreicher und rhythmisch vielschichtiger Thrasher und strotzt nur so vor plakativer Passagen. „What don't kill ya, make ya more strong!“ und „We die hard!“ brüllt uns Hetfield immer wieder um die Ohren – und: „Show your scars!“ Die Wunden aus Metallicas Vergangenheit – man denke nur an die gefilmte Gruppentherapie und das darauf folgende, teilweise stumpf-einfallslose „St. Anger“ - sind heute glücklicherweise tatsächlich zu Narben verheilt, spätestens seitdem sie mit der amtlichen Hammerscheibe „Death Magnetic“ wieder an alte Klassiker wie „...And Justice for All“ anknüpfen konnten. Das einzige größere Manko stellt der Sound dar: Da bei der Produktion die Lautstärke zu hoch geregelt wurde, fehlt dem Klang die nötige Dynamik und Kraft - er wirkt trocken, spröde und ist zuwenig druckvoll. Auch bei der Studioversion von „Broken, Beat & Scarred“ ist dieses Problem folglich noch vorhanden. Aber trotzdem macht der Song Laune und ist eine würdige Singleauskopplung. Das zeigt auch die Live-Aufnahme des Titeltracks, die auch für das auf der DVD enthaltene Video benutzt wurde. Hier wird deutlich, auf welchem Niveau Metallica noch immer spielen und wie sie ihre Fans mitzureißen wissen. Die oben erwähnten Passagen werden lauthals mitgegrölt, Kirk Hammet's Wah-Wah – Soli kommen flott und authentisch rüber, Bassist Rob Trujillo strahlt eine unbändige Energie aus und Lars Ulrich verdrischt seine - wieder normal klingende - Snaredrum unerbittlich. Diesen vitalen Eindruck vermitteln auch die gelungenen CD-Konzertmitschnitte des nahezu perfekten „The End of the Line“ vom neuen Album, des Queen-Covers „Stone Cold Crazy“ und „Of Wolf and Man“, die allesamt beim Gig in der Londoner o2-Arena am 15.09.2008 aufgenommen wurden. Am Ende lässt sich zwar resümieren, dass diese Truppe noch lange nicht am Ende ist - trotzdem bleibt aber der unnötig fade Beigeschmack der zu dick aufgetragenen Veröffentlichung, die diese Single wohl nur für überzeugte Sammler empfehlenswert macht.




