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Interview mit The Fratellis

veröffentlicht Montag, 16. Juni 2008, 00:00 Uhr

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Am Rande des Konzerts von The Fratellis im Hamburger Übel & Gefährlich hatten wir die Möglichkeit, uns kurz mit Sänger Jon zu unterhalten - über Schottland, ihr neues Album, und über Fußball natürlich.


Musik Base:

Ihr lebt alle immer noch in Glasgow. Habt ihr regelmäßigen Kontakt oder Zusammenarbeiten mit anderen Bands in eurer für Rockmusik ja nicht ganz unbekannten Stadt?

Jon Fratelli:

Nein, eigentlich überhaupt nicht. Viele Bands reden ja immer von gemeinsamen Jams und Synergieeffekten und so. Bei uns ist das ganz anders. Wir hingen noch nie dort rum, wo alle anderen Bands rumhingen. Ziemlich schnell, nachdem wir uns gefunden hatten, hatten wir auch schon einen eigenen Proberaum in Glasgow. Das war ab dem Zeitpunkt einfach unser Ort, und wir brauchten nichts anderes mehr. Wir waren nie wirklich ein Teil der Glasgower Szene, und wir wollten es auch nie sein. Ich weiß nicht genau warum, aber wir hatten schon immer eine Mentalität, alles ganz alleine und ohne Hilfe von außen machen zu wollen.

 

Musik Base:

Gibt es aktuelle Bands, die euch im Moment wirklich begeistern? Und welche Bands haben euch und euren Sound früher beeinflusst?

Jon Fratelli:

Da gibt es eigentlich gar keinen so großen Unterschied. Die Bands, die ich mit 18 toll fand, finde ich auch noch immer toll und es sind auch immer noch diese Bands, die mich beeinflussen - The Beatles , Led Zeppelin , The Clash , Pink Floyd, um mal ein paar Namen zu nennen. Das hat sich nie wirklich geändert. Meine musikalischen Wurzeln liegen auf jeden Fall eher schon ein paar Jahre zurück, als in der unmittelbaren Vergangenheit. Ich bin ein großer Fan der Bright Eyes und der White Stripes , aber ich weiß nicht, ob man das noch zu neuer Musik zählen sollte. Ach ja, und ich habe mir das MGMT-Album gekauft. Das finde ich großartig.


Musik Base:

Es gibt momentan - gerade in England - alle paar Wochen ein neues, großes Ding, das zu uns rüberschwappt und im allgemeinen Hype relativ große Erfloge feiern kann. Wie siehst du diese Entwicklung?

Jon Fratelli:

Du hast Recht. Der Punkt an der Sache ist, dass du nach kurzer Zeit von den meisten dieser Bands nie wieder etwas hören wirst. Hier spielen die Einflüsse, von denen wir eben gesprochen haben, meiner Meinung nach wieder eine große Rolle. Denn den meisten dieser Bands hört man an, dass sie eben nicht von älteren, wegweisenden Bands der letzten Jahrzehnte beeinflusst wurden, sondern von Bands der letzten ein oder zwei Jahre, die halt gerade einen aktuellen, kurzlebigen Trend vorgeben sollen. Über kurz oder lang wird das alles aber aussterben.

 

Musik Base:

Im Vergleich zu eurem Debüt „Costello Music" scheint das neue Album „Here We Stand" zwar immer noch gut gelaunt, aber nicht mehr ganz so partytauglich daherzukommen. War das auch eure Intention, mit der ihr an das Album herangegangen seid?

Jon Fratelli:

Ich muss sagen, ich verstehe das alles irgendwie nicht so ganz. Alle sagen, dass „Costello Music" so ein Partyalbum war. Dabei ist das ganz einfach der Rock'n'Roll, wie er früher nun einmal war. „Twist And Shout" war doch zum Beispiel genau so. Parts werden immer und immer wieder wiederholt, aber es bringt einen zum tanzen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass „Costello Music" nicht wirklich das Album war, was ich machen wollte. Wir waren alle nicht ganz glücklich damit, und ich wusste schon damals, dass das nächste Album nicht wieder so klingen könnte. Dinge entgleiten einem manchmal, und man hat nicht mehr die volle Kontrolle darüber. „Here We Stand" klingt nun exakt so, wie wir es haben wollten. Deshalb wollten wir auch weder einen Produzenten noch irgendwen anders dabei haben, um diesmal die ganze Kontrolle bei uns selbst zu wissen.

 

Musik Base:

Die Fußball-EM hat gerade begonnen. Bist du als Schotte eher traurig, dass ihr so knapp in der Qualifikation gescheitert seid, oder heitert es dich wieder ein wenig auf, dass England auch nicht mit dabei ist?

Jon Fratelli:

Ja, so ein Mist. Wir haben Frankreich zweimal geschlagen, und es hat trotzdem nicht ganz gereicht. Aber ich bin echt glücklich, dass England auch nicht dabei ist. Ihr hier in Deutschland wahrscheinlich auch. Ich erinnere mich noch an die EM 1996. Wir haben gegen England verloren, und alle dachten, sie seien nun nicht mehr aufzuhalten. Als sie dann im Halbfinale gegen Deutschland verloren hatten, lief wirklich ausnahmslos jeder in Schottland mit einem breiten Grinsen im Gesicht herum. Ich weiß auch nicht, warum das so ist, aber die Schadenfreude in Schottland ist wirklich grenzenlos, wenn England verliert - gerade, wenn sie gegen Deutschland verlieren. Aber es liegt mit Sicherheit auch zu einem Teil an der unglaublich übertriebenen und einseitigen Berichterstattung in den englischen Medien. Die sind echt unerträglich.

 

Interview: Alexander Meyer 



       

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