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Interview mit Waqas Qadri und Isam Bachiri von Outlandish

veröffentlicht Mittwoch, 22. November 2006, 00:00 Uhr
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Redaktion: Was hat sich bei Outlandish getan seit dem Erfolg von „Aicha“? Waqas: After „Aicha“ happened in Germany, it started to spread really like crazy …because we were touring that much and promoting we couldn’t find time to be creative. Nachdem Erfolg von “Aicha” in Deutschland, zogen schlagartig Österreich, die Schweiz und Asien nach. Der Erfolg in Deutschland machte uns weltweit bekannt. Plötzlich hatten wir einen Namen. Wir reisten viel, tourten und machten Promotion. Das kostete uns eine Menge Zeit. Deshalb hat es mit dem neuen Album so lange gedauert. Letztlich haben wir ein Jahr lang daran gearbeitet. Aber weil wir soviel tourten und Promotion machten, fanden wir keine Zeit, kreativ zu sein. Redaktion: Wie hat die Zeit „on the road“ euer neues Album beeinflusst? Waqas: We gained a lot of knowledge and experience and inspiration for this album while we were travelling … which is basically about all shades of being a human. That’s why the album also is called “Closer Than Veins”. Auf unseren Reisen haben wir viel gelernt, erlebt und Anregungen gesammelt für dieses Album. Eigentlich verdanke ich es überhaupt erst meiner Karriere, dass ich so viel reisen darf. Ich empfinde das als Segen. Wir haben soviel über andere Menschen gelernt. Das neue Album ist vor allem das Ergebnis unserer Reisen um die Welt und der Menschen, die wir unterwegs getroffen haben. Sie lieferten das Material für die Geschichten der Songs. Dabei geht es in erster Linie um die vielen Facetten des Menschen. Das ist ein Grund, warum, das Album „Closer Than Veins“ heißt. Redaktion: Warum klingt „Closer Than Veins“ musikalisch vielseitiger als „Bread & Barrels Of Water“? Waqas: We’ve always been versatile in this sense. But it’s true that the last album had one key element which was that all the songs had to have a hip hop fundament … more soulful whether it’s Latin inspired music or Arabic, Pakistani or western. Vielseitig waren wir eigentlich schon immer. Aber es stimmt schon, dass sich beim letzten Album ein zentrales Element durch alle Songs zog. Alle basierten auf einem Hip Hop-Fundament, selbst die jazzigen Stücke. Es gab Hip Hop Beats und viel Rap. Diesmal haben wir uns von dem Gedanken gelöst, dass Hip Hop dabei sein muss. Wir wollten einfach nur Musik machen, ganz egal, ob das Ergebnis ein Pop- oder ein Jazz-Song wird. Mit anderen Worten: wir haben uns diesmal keine Grenzen gesetzt. Beeinflusst hat uns dabei, dass wir sehr unterschiedliche Musik hören. Während der Arbeit an diesem Album haben wir so gut wie keinen Hip Hop oder R&B gehört, stattdessen ganz unterschiedliche Stile, wie Klassik, arabische, indische und Latin-Musik, viel Lounge, im Stile der Buddha-Bar-Sampler. Inspiration kommt außerdem ja nicht nur durch Musik, sondern durch so viele Dinge. So haben wir auch viele Reden und Vorträge mit religiösen Themen gehört. Auf dem neuen Album findet sich beispielsweise ein Interlude, das „The Vessel“ heißt. Es ist von einem Freund von Isam aus den USA, der religiöse Vorträge hält. Solche Dinge inspirieren uns ebenfalls sehr. Und das zeigt sich auch in der Musik. Sie ist melodischer, beseelter, unabhängig davon, ob sie lateinamerikanischer, arabischer, pakistanischer oder westlicher Prägung ist. Redaktion: Einen Hinweis auf eure musikalischen Vorlieben gab Compilation „Beats, Rhymes & Life“ von 2004. Was könnt ihr darüber hinaus zu euren musikalischen Inspirationen sagen? Waqas: Well, we get inspired from all over … that inspires me to do music my own way, whether it’s classical or whatever, Hip Hop or R&B. Nun, uns inspiriert alles Mögliche. Auch ein Song, der siebzig Jahre alt ist, kann einen Funken in dir entzünden. Ebenso etwas ganz neues. Es ist schwer zu sagen, was uns direkt beeinflusst. Was „Beats, Rhymes & Life“ betrifft, so ist das nur eine kleine Auswahl an Dingen, die uns seit unseren Anfängen bzw. seit unserer Kindheit inspiriert haben. So lange es gute Musik gibt, die andere Musiker inspiriert, hoffen wir, mit unserer Musik ebenfalls andere Musiker zu inspirieren, ob das nun Klassik, Hip Hop oder R&B ist. Redaktion: Ist es Zufall, dass der Song „Any Given Time“ des neuen Albums an R. Kelly erinnert? Isam: R. Kelly is a great artist. He is very talented to what he is doing … that’s the way we work. R. Kelly ist ein großartiger Künstler, sehr talentiert in dem, was er tut. Kann also schon sein, aber wie Waqas bereits gesagt hat, speist sich unsere Musik aus unterschiedlichsten Einflüssen: verschiedene Kulturen, verschiedene Stile. Unsere Musik spiegelt den Schmelztiegel, in dem wir aufgewachsen sind. Redaktion: „Closer Than Veins“ ist eine Zeile eures Songs „Any Given Time“. Wieso wurde sie zum Albumtitel? Isam: „Closer Than Veins“ is because the album is very introspective … That’s definitely something that we want to emphasize on, instead of what we are wearing, or what we are eating or what star sign you are born in. Es heißt “Closer Than Veins”, weil es ein sehr introspektives, also ein sehr persönliches Album ist. Es geht um den Blick in das eigene Innere, mit seinen guten und schlechten Seiten. Deshalb ist es uns sehr nahe, buchstäblich „näher als Venen“. Übrigens eine sehr schöne Redewendung, wie ich finde. Wenn man von jemandem sagen kann, dass er einem näher steht als die eigenen Venen, dann bedeutet das ein sehr tiefes Verhältnis. So geht es uns bei diesem Album. Der Hörer erfährt hier mehr über uns als zuvor und auch darüber, was uns bei unserer Musik wichtig ist. Bei Musik geht es ja nicht nur darum, gut auszusehen oder auf dem richtigen Fernsehkanal zu laufen. Sie soll die Seele eines Menschen berühren. Das ist uns wichtiger als die Frage nach unserem Lieblingsgericht, Kleidung oder unter welchem Sternzeichen man geboren wurde. Redaktion: Die Oberflächlichkeit der Musikbranche thematisiert ihr in Songs wie „Any Given Time“ und „Kom Igen“. Wie kommt ihr mit der Rolle als Stars klar? Isam: When you are in the spotlight you get, there’s a lot of gifts … We’ve experienced that. Stehst du erst einmal im Rampenlicht, fangen Firmen an, dich mit Kleidung etc. zu beschenken. Weil es für sie Werbung bedeutet. Das ist zwar nett, aber man kann abhängig davon werden. Darum geht es uns, um den Moment, wo diese Sucht stärker wird als die Kunst. Wenn man plötzlich nur noch arbeitet, um diese Dinge zu bekommen anstatt um anderen Menschen tatsächlich etwas zu geben. Worum es in diesen beiden Songs geht, ist der wirtschaftliche Aspekt der Musikbranche. Der ist einerseits eine Art Spiel, das du auf jeden Fall mitspielen musst, für das es aber auch Grenzen gibt, an denen du Gefahr läufst, deine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wir haben diese Erfahrung gemacht. Redaktion: Andere Künstler im Bereich Hip Hop und R&B haben kein Problem damit. Sie geben sich bewusst materialistisch. Wie seht ihr dazu? Isam: We’ve been sponsored, too. There’s nothing wrong with it … We shouldn’t forget that. It’s not just about the industry. Wir sind auch schon gesponsert worden. Das ist an sich nichts schlimmes, solange es nicht dein musikalisches Handwerk bestimmt. Deine Musik sollte sich nicht nur um materialistische Dinge drehen. Es sollte um mehr gehen. Diese Dinge werden heutzutage überbetont. Als Künstler hat man eine Vorbildfunktion, und wenn sich deine Musik nur um materialistische Dinge dreht, sendest du damit die falschen Signale. Denn wenn man immer wieder betont, das Wichtigste sei, gut auszusehen, die richtigen Sachen zu tragen und die richtigen Accessoires zu haben, dann vergessen die Leute, worum es wirklich im Leben geht. Es besteht die Gefahr, dass sie irgendwann durchdrehen, wenn sie nicht mehr alles bekommen, was sie wollen. Solch ein Leben ist ja auch recht teuer. Das sind nur ein paar Kleinigkeiten, aber sie können großen Einfluss nehmen. Es geht nicht nur um Kunst. Es geht um Werte, die man der Gesellschaft vermittelt und die somit uns alle betreffen. Das ist der zentrale Gedanke dahinter. Wir wollen keine Revolution anzetteln. Musik soll Gefühle vermitteln und Menschen bewegen, das sollte man nicht vergessen. Es geht nicht nur um das Geschäftliche. Redaktion: Was könnt ihr zur Single „Look Into My Eyes“ sagen, bei der es um den Konflikt zwischen Israel und Palästina geht? Waqas: All of us have at some extend been exposed to the middle east crisis … not names, not like getting to know the person. Jeder wurde im Laufe der Jahre irgendwie von der Krise im Mittleren Osten betroffen. Unser Song basiert auf dem Gedicht einer palästinensischen Jugendlichen. Es ist interessant, zu sehen, wie ein Teenager hier die Auswirkungen auf das alltägliche Leben beschreibt. In einem besetzen Land! Sie vergleicht ihr Leben mit unserem. Dabei zeigt sie nicht mit dem Finger auf uns. Vielmehr vergleicht sie unsere größten Sorgen mit ihren. Während wir uns etwa wegen eines Strafzettels wegen Falschparkens sorgen, hat sie Angst, dass der Panzer, der gerade wegfährt, umkehrt und zurückkehrt. Sie vergleicht das Leben der Jugendlichen dort mit unserem. Überall haben Teenager die gleichen Wünsche: sie wollen Spaß, mit Freunden zusammen sein. Aber die Menschen dort leben unter ganz anderen Umständen. Diese Perspektive hat in ihrer Menschlichkeit etwas Belebendes, zeigt sie doch, dass es in diesem Konflikt vor allem um Menschen geht. Wenn man sonst von diesen Konflikten hört, dann meist nur in Form von Zahlen oder allgemeinen Begriffen, wie „das iranische Volk“. Nie fallen Namen, mit denen man einen Menschen verbinden kann. Isam: It’s all statistics …The human side of it is really the beautiful aspect of this song. Isam: Da geht es nur um Statistiken, nicht um die menschliche Seite. Das inspirierte uns zu diesem Song. Weil er von einem sehr grundlegenden Standpunkt aus berichtet. Im Grunde geht es dabei um Hoffnung. Jeder, der ähnliches erlebt hat, kann das nachvollziehen, und es gibt viele verschiedene Situationen, in denen man Unterdrückung erlebt, etwa Alkoholismus in der Familie. Jeder kann das nachvollziehen. Dass Besondere an diesem Song ist, dass er aus der Warte eines Teenangers berichtet. Der menschliche Blickwinkel macht diesen Song so reizvoll. Redaktion: Habt ihr schon mal daran gedacht, in Palästina Konzerte zu geben? Waqas: We were actually offered to, some years ago, to go there and play … it’s only statistics and numbers and people are crazy down there or whatever. Because it’s not like that. Wir wurden tatsächlich vor ein paar Jahren gefragt, dort zu spielen. Leider passte es zeitlich nicht. Aber wenn das richtige Angebot kommt, sind wir offen dafür. Isam: Wir möchten auf jeden Fall dorthin und ansprechen, was da passiert. Die Situation dort ist schrecklich. Kinder können nicht zur Schule gehen. Wie heißt es in “Look Into My Eyes”? „Terror is the checkpoint on my way to school.” Wer will schon zur Schule gehen, wenn man dafür einen Grenzübergang passieren muss und nicht sicher sein kann, ob man das Ziel erreicht? Und das sind Kinder. Kinder berichten davon. Darüber sollte man nachdenken, und wie man diese Probleme lösen kann; zumindest aber sich dieser Probleme bewusst werden, statt nur Statistiken und Zahlen zu sehen und zu denken, die Menschen dort seien alle verrückt. So ist es eben nicht. Redaktion: Die Situation, dass ein Land und Menschen durch eine Mauer voneinander getrennt werden ist bizarr. Auf beiden Seiten herrscht Angst … Waqas: And you of all must understand that … That’s what walls do. Und das müsstet ihr in Deutschland am besten wissen. Ihr hattet diese Mauer, die Menschen trennte. Es wird behauptet, sie diene der Verteidigung. Aber Mauern trennen nur, sie vereinen nie. Redaktion: Vorurteile entstehen aber auch ohne konkrete Mauern. Was könnt ihr zum Song „Just Me“ sagen? Isam: The song is talking about the mental wall …instead of blaming a whole culture or religion etc. Der Song handelt von den Mauern im Kopf, wie Vorurteilen und Rassismus. Es geht um Menschen mit beschränktem Horizont und darum, dass man das „Problem der Integration“ nur durch Bildung lösen kann. Menschen müssen einander und die Werte des anderen kennen lernen, um sich gegenseitig respektieren zu können. Dafür braucht man Wissen, keine Dämonisierung des Gegenübers sondern Ehrlichkeit. Wir glauben, dass wir als Künstler einiges dazu beitragen können. Menschen suchen stets nach Sündenböcken, das war schon immer so. Da mögen wir uns technisch noch so weit entwickeln, sobald es darum geht, andere Menschen respektvoll zu behandeln, versagen wir. Es gibt noch viel zu lernen. Ein Blick auf die Geschichte hilft. Es hilft nichts, mit dem Finger auf andere zu zeigen und das Problem in deren Kultur oder Religion zu suchen. Ehrlichkeit ist gefragt, um das Problem zu lösen, anstatt eine ganze Kultur oder Religion pauschal zu verurteilen. Redaktion: Wie habt ihr als muslimische Dänen den Streit um die anti-muslimischen Karikaturen erlebt? Waqas: Personally I wouldn’t even call them anti-muslime. I would call them anti-humane … but if you throw dirt at me, you’ll get dirt back. Ich würde sie weniger „anti-muslimisch“ als viel mehr „anti-menschlich“ nennen. Sie zeugten von fehlendem Respekt vor den Gefühlen anderer Menschen. Rein rechtlich durften sie das, sowie ich dich jederzeit ein „Schwein“ oder „Arschloch“ nennen darf. Das ist Meinungsfreiheit. Andererseits verstehe ich unter diesem Recht etwas anderes. Denn damit verbunden ist Verantwortung. Spotte nicht um des Spottes willen, sondern respektiere auch den Menschen gegenüber! Ich sage das nicht, weil ich Muslim bin. Bill Clinton ist derselben Meinung und viele andere auch. Den Glauben anderer Menschen zu verspotten, zeugt von schlechtem Geschmack. Ich weiß, dass viele Dänen der Zeitung zwar das Recht auf Meinungsfreiheit zugestehen, aber auch der Ansicht sind, dass die Veröffentlichung dieser Karikaturen dumm war. Wenn man ein Problem mit Muslimen hat, möge man doch vernünftig bleiben. Informiere dich erst und kritisiere dann auf eine intellektuelle Art und Weise. Denn erst dann kann es eine intellektuelle Debatte geben. Aber wenn man mich mit Dreck bewirft, fliegt Dreck zurück. Redaktion: Was einige aufgebrachte Muslime ja getan haben, mit tätlichen Übergriffen und Morddrohungen gegenüber Journalisten. Wie steht ihr dazu? Waqas: We can never defend that kind of, I mean, if people want to boycott … that’s not good. So etwas könnten wir nie unterstützen. Wenn jemand darauf mit Boykott reagiert, so ist das sein gutes Recht. Aber Botschaften oder Flaggen anzuzünden oder Menschen zu bedrohen, ist nicht gut. Redaktion: Welche Lehren können wir aus dem Karikaturenstreit ziehen? Isam: I definitely hope that we can after the whole cartoon crisis we can get some dialog going on … be able to contribute somehow and be open-minded and just reach out. Ich hoffe, dass man nach diesem Streit wieder zum Gespräch zusammen findet. Denn darauf kommt es an. Menschen haben Angst vor dem, was sie nicht wissen. Das war immer schon ein Problem. Jedes Mitglied einer Gesellschaft sollte etwas zu ihr beitragen, aufgeschlossen sein und auf den anderen zugehen. Redaktion: Geht es euch darum, Menschen zusammenzubringen? Waqas: Knowledge is the core … It is a global village and we have to coexist. There is no other way. Der Kernpunkt ist Wissen. Wir verstehen uns nicht als Missionare mit dem Ziel, alle Menschen zu vereinen. Sollten wir das schaffen, klasse. Aber darum geht es im Kern nicht, sondern darum klarzumachen, wie wichtig es ist, mehr voneinander zu wissen. Heute kann man nicht mehr alleine vor sich hin leben. Dazu entwickeln sich Gesellschaften einfach zu schnell. Menschen kommunizieren via Internet, tätigen Geschäfte, Grenzen verschwinden. Da kann man nicht mehr in seiner kleinen Kiste hocken, in der Hoffnung, alles Fremde bleibt fern. Die Welt ist ein globales Dorf und wir müssen uns bemühen, zusammen zu leben. Das geht gar nicht anders. Redaktion: Geben Outlandish mit den unterschiedlichen Wurzeln ihrer Mitglieder ein Beispiel dafür, wie Integration aussehen kann? Isam: I mean, Waqas, he is from Asia, I’m from Africa, Lenny is from Latin-America. And we met in Europe in Copenhagen, Denmark … People have to find their own tempo and get to know each other because they want to. Waqas stammt aus Asien, ich aus Afrika und Lenny aus Latin-Amerika. Kennen gelernt haben wir uns in Europa, in Kopenhagen, Dänemark. Das ist eigentlich bereits die Aussage an sich. Es ist eben kein Marketingtrick. Wir kennen uns seit unserer Kindheit und respektieren die Werte des anderen. Wir kennen die Eltern des anderen und deren Traditionen. Das spiegelt sich in unserer Musik, die auf ganz natürliche Weise entstand und nicht in Folge eines großen Plans. Ein Problem der Integration ist vielleicht, dass sie scheitert, wenn Politiker versuchen, sie unbedingt durchzusetzen. Dann ist sie erzwungen und entsteht nicht auf natürliche Art und Weise. Man kann Menschen nicht dazu zwingen, sich zu integrieren und einander zu verstehen. Sie müssen ihr eigenes Tempo dafür finden und einander kennen lernen, weil sie es selber wollen. Redaktion: Wie könnt ihr mit euren Erfahrungen helfen, wenn sich vielerorts Kinder der dritten Einwanderergeneration immer noch der Integration verschließen? Waqas: Fortunately we have been blessed with insight in different cultures … all work together for a solution. And it takes time. Wir haben das Glück, Einblick in verschiedene Kulturen zu haben. Das ist ein Segen, weil man die Dinge dann von beiden Seiten aus sieht. Natürlich finde ich, dass Menschen sich selbst in die Gesellschaft einbringen müssen. Aber es ist eben nicht nur schwarz und weiß, im Sinne von: die Eltern haben versagt oder das Problem ist ihre Kultur an sich. Ich spreche aus Erfahrung. Menschen aus armen Ländern emigrieren, weil sie arm sind und Arbeit suchen. Im Grunde ist das ganz einfach: sie kommen her und können oft weder lesen noch schreiben. Wie sollen sie da die Ausbildung ihrer Kinder unterstützen? Wie sollen aus ihren Kindern plötzlich Ärzte oder Rechtsanwälte werden? Das ist ein Teufelskreislauf, bei dem sie ihre Kinder letztlich verlieren. Eine verlorene Generation. Und das ist nur ein kleiner Einblick. Es gibt so viele Gründe, warum Dinge scheitern. Man muss den Stier bei den Hörnern packen. Mit dem Finger auf die Eltern, die Kultur oder die Religion zu zeigen, führt zu nichts. Wir müssen gemeinsam an einer Lösung arbeiten, und das braucht Zeit. Redaktion: Was könnt ihr als Künstler dazu beitragen? Waqas: Having an insight on both camps, so to say … that’s the whole purpose of it. Weil wir einen Einblick in beide „Lager“ haben, können wir mit unserer Musik und unseren Texten vielleicht auf Themen aufmerksam machen, die möglicherweise nicht jedem in dieser Form bewusst sind. Denn obwohl wir in multi-kulturellen Gesellschaften leben, findet oft nur wenig Austausch statt. Vielleicht können wir, vorsichtig formuliert, einen Graben überbrücken; sicher nicht die Probleme lösen, aber die Lösung ein wenig vorantreiben und in die richtige Richtung bringen. Erfolgsgeschichten wie unsere sind dabei wichtig. Sie motivieren junge Menschen ganz entscheidend. Das weiß ich aus Erfahrung, weil uns so viele Leute gesagt haben, wir hätten sie inspiriert, an sich zu glauben und ihr Ziel zu verfolgen, etwa einen Schulabschluss zu machen. Genau darum geht es uns. Redaktion: Danke daß ihr euch die Zeit genommen habt. Bis bald.
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