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Nicole: "30 Jahre - Mit Leib und Seele"

veröffentlicht Mittwoch, 20. Oktober 2010, 00:44 Uhr

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„30 Jahre - Mit Leib und Seele“ – auf welche Künstlerin im deutschen Sprachraum könnte diese Charakterisierung besser passen als auf Nicole? „…und mit unfassbar viel Erfolg“, möchte man angesichts dieser einzigartigen Karriere allerdings noch hinzufügen. Wahrscheinlich war es genau jenes „Mit Leib und Seele“, das den Erfolg über all die Jahre ausgemacht hat. Wer Nicole einmal auf der Bühne erlebt hat, der weiß, dass diese Frau keine halben Sachen macht. Niemals!

„30 Jahre - Mit Leib und Seele“ – auf welche Künstlerin im deutschen Sprachraum könnte diese Charakterisierung besser passen als auf Nicole? „…und mit unfassbar viel Erfolg“, möchte man angesichts dieser einzigartigen Karriere allerdings noch hinzufügen. Wahrscheinlich war es genau jenes „Mit Leib und Seele“, das den Erfolg über all die Jahre ausgemacht hat. Wer Nicole einmal auf der Bühne erlebt hat, der weiß, dass diese Frau keine halben Sachen macht. Niemals! Dann lieber gar nicht, bevor sie sich zu etwas verleiten lässt, wohinter sie nicht steht. Nicole hat ein Anliegen – Musik. Menschen bewegen. Menschen berühren. Menschen erreichen. Die Zwischenbilanz sagt: Mission erfüllt. Seit 30 Jahren, immer mit Leib und Seele. Das Doppelalbum, mit dem Nicole ihre Jubiläumsaktivitäten startet, nämlich „30 Jahre - Mit Leib und Seele“, erscheint am 29. Oktober 2010.
 
30 Jahre. Rechnerisch kommt das zwar hin seit ihrem ersten Plattenvertrag und ihren ersten Auftritten als Solistin – und trotzdem scheint heute nichts auf eine solche Zeitspanne hinzudeuten. Das blendende Aussehen, die Energie im Blut, wenn Nicole die Bühne betritt. Und das mit dem Grand Prix, das ist doch auch erst… hoppla, doch schon 28 Jahre her, stimmt. Mit dem zweiten deutschen Sieg in diesem Jahr sind so viele Erinnerungen wach geworden, dass man das Gefühl hat, es sei alles erst gestern gewesen. Und doch: Zwei groß gewordene Kinder, Silberhochzeit, Rekordsiegerin bei der ZDF-Hitparade und der Goldenen Stimmgabel, Gold- und Platin-Awards, dazu den ECHO und rund 300 Chart-Wochen – das ist für „nur“ 30 Jahre schon eine stramme Leistung. Aber halten wir uns nicht auf mit dem Gestern – es gibt schließlich auch noch ein Heute und ein Morgen, und für beide hat Nicole eine Menge vor. „Meine Leidenschaft für die Musik brennt wie eh und je“, sagt sie.
 
Mit dem Doppelalbum „30 Jahre - Mit Leib und Seele“ holt sie natürlich ihre großen Erfolge wieder ins Licht, teils als Medley („Hits 1982-2004“, „Hits 2005-2010“, „Alle 11 Hitparadensiege“), teils in Originalversionen („Ein bisschen Frieden“, „Papillon“, „Wenn die Blumen weinen könnten“, „Ich hab dich doch lieb“, „Allein in Griechenland“, „Lass mich nicht allein“, „Song For The World“, „Ein leises Lied“, „Mit dir vielleicht“, „Mehr als ein bisschen Frieden“), aber vereinzelt auch in Neuaufnahmen, so zum Beispiel der ewige „stille“ Hit „Soley, Soley, Soley“ oder die unvergessene Debüt-Single „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“, mit der sie damals über 500.000 Platten verkaufte – heute eine unvorstellbare Zahl. Für diese Neuversion konnte Nicole niemand geringeren als Michael Hirte, den Mann mit der Mundharmonika, und die legendären Olsen Brothers (Grand-Prix-Sieger 2000) als Duettpartner gewinnen! Auch aus den Erfolgstiteln der letzten Jahre wurden die besten ausgewählt („Alles fließt“, „Wenn Träume fliegen lernen“, „Meine Nummer 1“, „Ich schwöre“) und auf „30 Jahre – Mit Leib und Seele“ verkoppelt.
 
Persönliche Lieblingslieder von Nicole und Songs, die ihr besonders am Herzen liegen, haben auf dieser Retrospektive eine Sonderstellung, so zum Beispiel ihr frühes Credo „So viele Lieder sind in mir“ (1984), das selbst geschriebene Abschiedslied „Es gibt ein Wiedersehn“ (1992), außerdem „Marie-Claire“ (1993), das Lied, das den Namen ihrer ersten Tochter trägt, und das Silberhochzeitsgeschenk an ihren Winni, „25 Mal ein Jahr“ (2009). Auch dabei: Ihr zur Abschiedsfeier von Dieter Thomas Heck zu Bedeutung gekommenes „Das letzte Lied“ (2002). Heck persönlich ist es auch, der es sich nicht nehmen ließ seinem „Nickelchen“, wie er sie gerne nennt, einen Glückwunsch als Eröffnungsgruß zum Doppelalbum zu schicken. Bevor also die ersten musikalischen Takte von CD 1 erklingen, spricht der Übervater des deutschen Schlagers – ganz wie zu Zeiten der ZDF-Hitparade. Und genau wie es in der Hitparade üblich war, startet Nicole auch das Projekt „30 Jahre – Mit Leib und Seele“ mit etwas Neuem. Der erste Titel heißt so wie das Doppelalbum selbst: „Mit Leib und Seele“. Ein Hit der Marke Nicole – unverkennbar, authentisch und der Künstlerin würdig. Natürlich wieder aus eigener Feder, gemeinsam mit den Co-Autoren Giorgio und Martin Koppehele und Armin Pertl, die sämtliche Neuaufnahmen des Albums auch produziert haben. Zusammen schrieben die drei auch die weiteren neuen Songs: „Grenzenlos“ und „Ich bleib bei dir“. Das klingt nach viel Zuversicht für die kommenden Jahre!
 
Aber sogar schon in näherer Zukunft steht bei Nicole eine Menge an: Im November ist sie mit dem Programm „Mit Leib und Seele“ zum 30-jährigen Bühnenjubiläum auf Tournee, hauptsächlich – man höre und staune – in Kirchen! Nicoles Musik in sakraler Umgebung; das verspricht ein besonderes Erlebnis zu werden.

Und zum 30-jährigen Jubiläum mit Nicole haben wir ein Interview für euch:

Wann wurde Ihnen klar, dass die Musik zu Ihrem Beruf werden sollte?


Das war im Jahr 1980, als ich bei einer Plattenfirmen-Veranstaltung auf Schloss Hornberg bei Crailsheim war. Ich hatte keine offizielle Einladung und es stellte sich dann auch heraus, dass ich dort eigentlich gar nichts zu suchen hatte. Nun saß ich da mit meiner Gitarre und wusste erst einmal nicht weiter. Dann sagte eine Freundin nach ein paar Gläsern Wein: Wenn du schon nicht auf der Bühne singen kannst, dann wenigstens für uns hier am Tisch, damit wir nicht umsonst gefahren sind! Und dann kam es zu dem berühmten Zufall. Alle Menschen befanden sich bei der Schlacht ums kalte Buffet. Ich saß im Innenhof und sang „Streets Of London“, „House Of The Rising Sun“ und „Joe Hill“ und plötzlich setzten sich die Leute mit ihren Tellern um mich herum und hörten zu. Unter anderem auch Robert Jung, der dann mein erster Produzent wurde.

Was hat Robert Jung zu Ihnen gesagt?

Er meinte: Du musst unbedingt nach München kommen! Wir machen einen Vertrag. Ich habe auch schon ein Lied für dich! Das war „Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund“. Ich dachte zuerst, viel Gerede, aber nichts dahinter. Aber drei Tage später klingelte das Telefon und eine Woche danach habe ich bei einer Plattenfirma vorgesungen. Mit dem Ergebnis, dass sie einen Tag später anriefen und sagten: Wir brauchen dich nicht. Wir brauchen kein 16-jähriges Mädchen und das Lied finden wir auch nicht gut. Da war Robert Jung unheimlich sauer. Er wetterte: Seid ihr blind und taub?! Hört ihr das nicht? Jedenfalls ist er mit mir dann zu Ralph Siegel gegangen. Er hat sich das Lied fünfzehn Sekunden angehört – und ich hatte meinen ersten Plattenvertrag. Damit war für mich klar, wo die Reise hingeht.

Durch den späteren Erfolg von „Ein bisschen Frieden“ scheint dieses Lied ein bisschen in den Hintergrund getreten zu sein. Aber es ist doch bis heute ein sehr wichtiges Lied für Sie, oder?

Absolut. Ich bin auch unheimlich froh, dass gerade dieses Lied das erste war, denn es hatte einen handgemachten Charakter, es gab keine Elektronik. Deshalb kann ich dieses Lied auch heute noch genauso authentisch spielen. Das Hauptgewicht liegt auch viel mehr auf dem Text als auf der Musik. Dieser Song ist für mich bis heute eine Warnung, immer mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben. Und dann kam ein Jahr später dieser überdimensionale Erfolg.

Vor zwei Jahren bekamen Sie bei einem Konzert in Hagen von einem Fan eine selbst angefertigte CD mit dem Titel „Ich liebte die Nicole so doll“.

Ich kann mich jetzt gar nicht daran erinnern. Aber man bekommt öfter mal Sachen zugesteckt, wo Leute Musik machen und gern einen Ratschlag haben wollen. Das tue ich dann natürlich auch, aber es ist mitunter sehr schwierig das zu beurteilen, weil man ja niemandem weh tun möchte, wenn’s jetzt nicht so gelungen ist. Ich versuche immer einen Weg zu finden, meine Meinung auszudrücken. Da halte ich es wie Dieter Bohlen, der sagt es nur in sehr viel krasserer Form. Ich versuche es etwas vorsichtiger zu sagen. Aber sich falschen Illusionen hinzugeben, hat noch keinem genutzt.


Aber wie ist es, wenn ein Fan versucht, Ihnen zu nahe zu kommen?

Diese Versuche gibt es immer wieder. Ein Fan möchte dem Künstler nahe sein, er möchte alles über ihn wissen und manchmal stehen sie bei eisiger Kälte Stunden lang und wollen nur noch einen Blick erhaschen. Manche erzählen einem von persönlichen Problemen oder von schweren Krankheiten. Dieses Vertrauen ist einerseits berührend, aber andrerseits muss man auch eine Grenze ziehen. Jemand hat mir mal gesagt: Du bist nicht auf der Welt um das ganze Elend dieser Erde auf deinen schmalen Schultern zu tragen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste das tun, z. B. wenn ich Briefe bekomme, wo mir jemand schreibt, dass er ohne meine Lieder nicht aus einem tiefen Loch herausgekommen wäre.

Wie haben Sie die Balance gefunden, einerseits Ihren Fans offen gegenüber zu treten, andrerseits aber nicht alles zu sehr zu Herzen zu nehmen?

Ich bin ein Mensch, der immer versucht sich in andere Menschen hinein zu versetzen. Warum tut dieser Mensch das? Warum wartet jemand drei Stunden darauf, dass ich ihm ein Autogramm gebe? Da muss man sich ein gutes Nervenkostüm zulegen. Letztlich ist es so, dass man nicht mit allen Kaffee trinken gehen darf.

Was war denn das kurioseste Geschenk, das Sie von einem Fan bekommen haben?

Das reicht von selbst gebastelten Fotocollagen mit Fotos aus all den Jahren bis zu selbst geschriebenen Gedichten, ganz liebevoll gemacht. Da kann man kein einzelnes herausheben.

Und gibt es vielleicht ein Konzert, das Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Einmal, kann ich mich erinnern, war ich in Berlin zu einem Konzert. Und zwei Tage vorher ist der Veranstalter mit der Kasse durchgebrannt. Die Karten waren natürlich alle verkauft und es stellte sich die Frage, ob wir das Konzert nun machen oder nicht. Da ich ein Bauchmensch bin, habe ich meinen Musikern gesagt: Ich möchte das unbedingt machen, auch wenn es kein Geld gibt. Was haltet ihr davon? Ich bin das den Berlinern irgendwie schuldig. – Wir sind aufgetreten. Und was sich an diesem Abend dort abgespielt hat an Emotionen, da bekomme ich heute noch Gänsehaut. Ich kam auf die Bühne und im Publikum gab es ein großes Transparent, auf dem stand: „Gefühl zählt mehr als Geld“. Es gab erstmal fünf Minuten Standing Ovations und ich war völlig benommen. Das sind Momente, die kann dir niemand nehmen. So etwas vergisst man nicht mehr.


Wie leidenschaftlich ist Nicole nach 30 Jahren auf der Bühne?


Ich sehe es ja nicht nur als einen Beruf, sondern als Berufung. Man muss eine ganze Menge Herzblut mitbringen und auch diesen Beruf leben, was nicht immer einfach ist. Bei mir ist es so, dass ich mich bei den Konzerten 100-prozentig verausgabe, da lebe ich jeden Ton und jedes Wort.

Wie wichtig ist es für Sie im Lauf der Jahre geworden, selbst Songs zu schreiben?

Das ist ganz wichtig. Es ist schon ein Unterschied, ob man selbst schreibt, oder ob es jemanden gibt, der für einen schreibt, wobei ich immer großen Wert darauf gelegt habe, dass die Songschreiber, mit denen ich zusammen gearbeitet habe, sich in mich hinein versetzen können. Das hat z. B. mit Bernd Meinunger immer hervorragend geklappt. Aber wenn du einen Titel wirklich selber schreibst, wie z. B. „25 mal ein Jahr“, den du nur selber schreiben kannst, denn es geht darum, mit demselben Mann 25 Jahre verheiratet zu sein, dann ist das etwas Besonderes. (lacht) Das kann niemand anderes schreiben. Und wenn du ein solches Lied bei einem Kirchenkonzert singst, merkst du auch, wie nahe es den Menschen geht, denn sie wissen, dass das etwas ganz Persönliches ist. Das sind Momente, wo ich immer wieder Gänsehaut bekomme, weil ich spüre, wie die Menschen das aufnehmen.

Was denken Sie, wenn man Sie als „Schlagertante“ bezeichnet?

Ich kämpfe seit 30 Jahren gegen dieses Schubladen-Denken an. Ich wollte mich nie und will mich auch heute nicht auf Schlager reduzieren lassen. Die gab es sicherlich. Aber schon meine erste Single „Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund“ hatte ja nichts mit der heilen Schlagerwelt zu tun sondern war viel eher ein Chanson. Ich sehe mich als poporientierte Schlager- und Chansonsängerin. Das lässt mir alle Türen offen. Aber leider haben wir in Deutschland dieses Schubladen-Denken. Das ärgert mich immer noch.

Sie sind im Saarland geboren und leben immer noch dort, obwohl Sie nach Hamburg, Berlin, München oder sonst wohin hätten ziehen können. Was hat Sie im Saarland gehalten?

Die Saarländer sind sehr bodenständig und heimatverbunden. Ich bin in Saarbrücken geboren, aber in einem kleinen Dorf in der Gemeinde Nohfelden aufgewachsen, wo auch meine Mutter herstammt. Ich bin dort groß geworden, dort kennt mich jeder seit meinem ersten Lebensjahr. Man kennt sich unter einander, man kennt die Familiengeschichten. Es gibt ein sehr persönliches und herzliches Verhältnis im Dorf und man muss sich nicht verstellen. Ich bin eine von ihnen und bin es bis heute geblieben. Das hat mir, glaube ich, auch nicht geschadet. „Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund“ war wohl nicht umsonst meine erste Single und vielleicht auch kein Zufall. Ich finde es wichtig, nie zu vergessen, wo man herkommt und wo die Wurzeln sind.

Wie sah Ihre Kindheit aus?

Ich stamme aus sehr bescheidenen Verhältnissen, habe drei Geschwister. Bis zum 18. Geburtstag wusste ich nicht, was Urlaub ist. Es war nicht immer einfach und das hat mich auch geprägt. Sparsamkeit und Bescheidenheit sind zwei Tugenden, die uns unsere Eltern beigebracht haben. Tugenden, die man heute ja kaum noch findet. Ich bin wirklich dankbar, dass meine Eltern uns so erzogen haben.

Was sind die Vorzüge des Saarlands?

Es ist die Hilfsbereitschaft, die Nachbarschaftsliebe, auch die Lust am Feiern und am guten Essen. Geselligkeit wird sehr groß geschrieben. Es gibt viele Gesellschaftsabende und Grillfeste. Der Saarländer schwenkt sehr gern, es gibt kein Bundesland, wo so gut und gern geschwenkt wird wie hier. Ein Schwenker gehört hier in jeden Haushalt!


Klären Sie uns bitte auf, was ein Schwenker ist!

Das ist ein Dreibein aus Stahl oder Eisen und da hängt ein runder Grill an Ketten dran auf dem die Schwenker liegen; der wird über offenem Feuer geschwenkt. Schwenker sind marinierte Schweinenackensteaks. Entweder in Kräuter oder in Paprikamarinade. Die werden über offenem Feuer geschwenkt – aber nur über Buchenholz. Das ist ganz wichtig, weil das Fleisch durch das Buchenholz seinen einzigartigen Geschmack bekommt. Dazu gibt’s Bier und der Abend ist gerettet.

Wann haben Sie das erste Mal in Ihrem Leben geschwenkt?


Da muss ich vier oder fünf gewesen sein.

Was mögen Sie nicht so?

Süßigkeiten! Ich mag keinen Kuchen, auch keine Plätzchen, keine Schokolade. Das kommt natürlich auch der Figur zu Gute! (lacht)

Und was wird es dann zum 30jährigen Jubiläum geben? Etwa keine Torte?

Es wird vielleicht eine Torte von der Plattenfirma geben, aber die werde ich allerhöchstens anschneiden und verteilen, aber nicht selber essen. (lacht) Mir wären dann Garnelen lieber.

Aber Sie sind vor ein paar Jahren aus einer Torte gestiegen!

Ja, das war beim 30. Geburtstag von Matthias Sammer. Matthias ist ein bekennender Nicole-Fan und wir haben auch mal mit der Nationalmannschaft für die WM in den USA ein Lied aufgenommen. Aber das war nicht so erfolgreich, weil das Team nicht so weit kam. „It’s Just A Game“ hieß das Lied.

Würden Sie denn noch mal aus einer Torte steigen?

Selbstverständlich. Für Matthias auf alle Fälle. Und für alle, die sich freuen würden, wenn ich da rausspringe.

Wer hatte eigentlich die Idee dafür?

Das waren seine Ehefrau und der Manager von Matthias. Das war natürlich eine große Geheimsache, denn er durfte mich ja vorher nicht sehen. Ich musste ein paar Minuten in einem kleinen Pappkarton sitzen. (lacht) Ich dachte die ganze Zeit: Hoffentlich bricht das Ganze nicht auseinander und die Überraschung ist dahin!

Interessieren Sie sich für Fußball?

Absolut. Die WM war für mich das Größte, vor allem der Sieg gegen Argentinien. Ich war ja auch verrückt genug, 1990 ohne Ticket nach Rom zu fahren zum WM-Finale. Ich wusste um halb sieben Abends noch nicht, ob ich eine Karte bekomme. Aber um acht hatte ich sie. Ich saß dann genau hinter dem Tor, in dem Andy Brehme den Elfmeter versenkte. Ich habe auch die stillen Momente von Franz Beckenbauer verfolgt, als er nach dem Spiel in Gedanken versunken über den Platz ging.

Woher kommt die Faszination für Fußball?

Mein Vater war Schiedsrichter, mein Bruder ist Schiedsrichter und ich habe als Kind mit den Jungs Fußball gespielt. Ich habe im Abitur den Leistungskurs Fußball belegt und ein Gut bekommen.

Wäre es vielleicht dazu gekommen, dass Sie Fußballerin geworden wären, wenn Damenfußball damals schon so populär gewesen wäre wie heute?

Nein, ich glaube nicht, dazu habe ich zu gern gesungen. (lacht) Auf die Gesangskarriere hätte ich nicht verzichtet. Es war immer mein Kindheitstraum, einmal in der ZDF-Hitparade aufzutreten. Als Kind habe ich nach dem Bad immer vor dem Fernseher gehockt und ich fieberte immer dem Spruch entgegen: „Hier ist Berlin“. Das war für mich das Größte, die Hitparade zu gucken und zu wissen: Da willst du mal hin. Und irgendwann hat es dann ja auch geklappt. Dass ich die Hitparade dann mit meinem 17. Sieg mit beerdigt habe, das hätte ich mit sieben Jahren nicht gedacht. Aber das war ein sehr emotionaler Moment.

Ein anderer sehr emotionaler Moment war sicher auch der 24. April 1982 in Harrogate. Wie haben Sie sich damals als 17-Jährige gefühlt?

Ich habe damals geahnt, dass es funktionieren könnte. Ich war sehr ruhig und in mich gekehrt, weil ich wusste, dass ein Sieg der Wendepunkt in meinem Leben sein würde. Bei der Generalprobe war eine Putzfrau vor Ort, die immer dann aufgehört hat zu putzen, wenn ich gesungen habe. Sie hat jedes Mal inne gehalten und mir zugehört. Das war wie ein Zeichen für mich. Da dachte ich mir: ´Du hast wirklich eine Chance‘. Das war ein komisches Gefühl. Nach der Generalprobe fragte mich Ralph Siegel: Warum bist du denn so still? Ich sagte ihm: Ich habe Angst zu gewinnen. Da sagte er: Da hat man doch keine Angst! Da freut man sich doch!

Warum hatten Sie Angst davor?

Weil ich genau gewusst habe, was dann passiert. Ich fragte mich: Will ich das wirklich? Will ich weg von zu Hause? Will ich meine Freunde zurücklassen? Aber schließlich siegte mein Kämpferherz: Verdammt noch mal, du bist nicht so weit gegangen, um jetzt zu kneifen. Das war meine Einstellung, und mit der bin ich aufgetreten. Beim Grand Prix traf ich die Entscheidung meines Lebens. Ich hatte schließlich eine Aufgabe – mein Land würdig zu vertreten.

Haben Sie diese Entscheidung je bereut?

Nein, niemals. Ich wollte ja immer Sängerin werden und die Dankbarkeit und Aufmerksamkeit meiner Fans möchte ich nicht missen. Für sie mache ich ja Musik.


Bei all dem Trubel um den Grand Prix-Erfolg wird heute oft übersehen, dass Sie es mit der englisch-sprachigen Version „A Little Peace“ auch Platz Eins der britischen Charts belegen konnten, was für deutsche Künstler die absolute Ausnahme darstellt...

Das ging damals alles so schnell, dass ich das gar nicht richtig realisieren konnte. Das Witzige war, dass Paul McCartney in der Woche des Eurovisionswettbewerbes auch sein neues Album vorgestellt hatte. Das hieß „Tug Of War“ und die Präsentation dafür fand in einem großen Zelt statt. Es war für mich sehr faszinierend, einmal einen Beatle zu erleben. Drei Wochen später stand ich bei „Top Of The Pops“ auf der Bühne und sang „A Little Peace“ und der Song war die Nummer Eins in den Single Charts. Paul McCartney und Stevie Wonder waren mit „Ebony & Ivory“ auf Platz Zwei. Das hätte ich mir nie träumen lassen.

In den 80er und 90er Jahren waren Sie wirklich omnipräsent, ein Hit folgte auf den anderen. Nun ist es unmöglich, alle Erfolge zu rekapitulieren. Aber der Song „Papillon“ scheint mir auch ein sehr wichtiger in Ihrer Karriere zu sein…

Ja, ganz klar. Darin geht es ja um das große Thema Freiheit. Ich erinnere mich, dass ich Mitte der 80er Jahre von der Künstleragentur der DDR nach Dresden eingeladen wurde. Es gab aber die Auflage, dass ich dieses Lied nicht singen darf, auch nicht „Ein bisschen Frieden“. Dann stand ich auf der Bühne und dachte, dass die vielen Leute doch wegen mir und wegen dieser Lieder gekommen sind. Ich hab’s also gesungen, auch auf die Gefahr, dass mich jemand von der Bühne schleift oder dass der Strom abgestellt wird. Aber es ging alles gut. Lieder wie „Papillon“, „Der alte Mann und das Meer“ oder „Wenn die Blumen weinen könnten“ setzten sich mit Themen auseinander, die in den 80ern auf der Tagesordnung standen und die bis heute aktuell geblieben sind, denn leider gibt es immer noch unvernünftige Menschen, die Wälder roden, es gibt heute immer noch Freiheitsberaubung und es gibt auch immer noch Egoisten, die zu hoch fliegen. 

Sie können auf 30 unglaublich erfolgreiche Jahre zurückblicken, auf sehr, sehr viele Hits und auf unzählige Konzerte. Würden Sie etwas ändern, wenn Sie könnten?

Nein. Ich würde alles noch einmal so machen, da besteht kein Zweifel!

Wie definieren Sie heute Erfolg?

Für mich ist es immer das Wichtigste gewesen, wie ich die Menschen, wie ich das Publikum berühren kann. Ich bin nie irgendwelchen angesagten Trends hinterher gelaufen. Ich kann das auch gar nicht, denn ich muss mir doch treu bleiben. Ich bin zwei Stunden auf der Bühne und da kann ich ja nicht schauspielern! Ich möchte, dass die Leute mich authentisch erleben können. Die Leute brauchen niemand, der sie anlügt. Deshalb kann ich auch keine Musik machen, die überhaupt nicht zu mir passt. Ich möchte weiter Lieder schreiben – und zwar in meiner Heimatsprache. Ich möchte auch Lieder singen, die Probleme ansprechen, selbst wenn dann Redakteure sagen, dass das zu anspruchsvoll oder zu schwer sei. Ich möchte auch mal eine Cover-Version von Aerosmith singen oder mit den Berliner Philharmonikern musizieren. Das brauche ich für meine künstlerische Weiterentwicklung und ich glaube, dass mein Publikum das auch honoriert.

Sie werden bald auf eine Tournee gehen, bei der Sie in Kirchen auftreten werden. Wie soll man sich Nicole in einer Kirche vorstellen?

Wir spielen in kleiner Besetzung nur mit akustischen Instrumenten und Mikrofonen - ganz ohne Verstärker und Effekte. Das ist ein besonderer Klang, der in einer Kirche mit der entsprechenden Akustik viel besser zur Geltung kommt als in einer Konzerthalle. Das reizt mich, weil das absolut ehrlich und ohne technische Tricks gemacht wird, also ohne Netz und doppelten Boden. Das Publikum hört alles und nimmt das an. Der Kontakt ist viel enger. Außerdem haben manche meiner Lieder auch einen ernsten Bezug. Da geht es um Tod und Trauer. Deshalb ist eine Kirche als Haus der Hoffnung der geeignete Ort für unser Konzert.

Vielen Dank an Nicole für das ausführliche Interview.


       

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