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Patrice im Interview

veröffentlicht Dienstag, 13. Mai 2008, 00:00 Uhr

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Am 23. Mai erscheint das neue Album „Free-Patri-Ation" von Patrice.

Für die Produktion des Albums waren unter anderem so hochkarätige Persönlichkeiten wie Comissioner Gordon zuständig, der auch schon mit Lauryn Hill, Alicia Keys u.v.m. gearbeitet hat. Ein guter Grund einmal mit dem gebürtigen Kölner über den aktuellen Stand der Dinge zu sprechen. Wir treffen Patrice im noblen Hamburger East Hotel.

Musik-base: Wie man hört bist du sehr viel unterwegs. Lebst du derzeit noch hauptsächlich in Köln?

Patrice: In letzter Zeit pendele ich viel zwischen New York und Köln. Momentan lebe ich sogar mehr in New York, was so wohl private als auch berufliche Gründe hat.

Musik-base: Schreibst du eigentlich Lieder auf Deutsch?

Patrice: Klar, aber in erster Linie für andere Leute. Für das Theaterstück „Coloured Children" habe ich schon mal ein paar meiner Texte auf Deutsch performed. Aber das ist auch eher die Ausnahme. Ansonsten nur ein paar Texte für kleinere Poetry und Rapprojekte. Für Poesie ist die deutsche Sprache zum Beispiel richtig gut. Nur muss man zusehen, dass man der Sprache auch den richtigen Geist einhaucht.

Aber im deutschen Rap gibt es Leute die einfach die Skillz haben und alles aus der Sprache rausholen...

Musik-base: Kannst du eigentlich auch rappen?


Patrice: Auf jeden kann Fall ich rappen. Ich bin mit HipHop groß geworden und habe früher alles ausprobiert. Musik, Graffiti, Freestyle, Tanzen, Djing und Skateboarden. Für mich habe ich dann Reggae und diese Singer/Songwriter Ding entdeckt. Das hat mich wirklich fasziniert und ich habe zu Hause immer Gitarrespielen geübt. Dabei war es für mich immer klar auf Englisch bzw. Patois zu singen.

Auch ist es cool auf der ganzen Welt verstanden zu werden. Ich war schon in England, Italien, Frankreich und Nigeria in den Charts und überall unterwegs, wie z.B. in Japan. Nur mit deutschen Texten wäre das sicher nicht möglich...

Musik-Base: Ich wusste gar nicht, dass Japan eine Reggae Szene hat...

Patrice: Und was für eine. Die ist riesig. Auch der Sound den die am Start haben ist enorm. Bei den Soundsystem - Clashes waren es auch immer die Japaner die gewonnen haben. Fairerweise muss man sagen, dass es auch mit der Kohle zusammenhängt und die sich jamaikanische Acts eingekauft haben. Trotzdem ist die Szene da enorm. Ich staune immer, wenn ich meine Gema - Abrechnung bekommen.

Musik-Base: Hat man eigentlich als Künstler Einfluss darauf, wo eine Platte erscheinen soll? Oder trifft solche Entscheidungen in erster Linie die Plattenfirma?

Patrice: Grundsätzlich macht so etwas die Plattenfirma. Zum Beispiel Universal gibt es weltweit und jede Niederlassung kann für sich selbst entscheiden, ob das „Produkt" für den jeweiligen Markt interessant ist.

Musik-base: In deinen Liedern fühlt man eine starke Verbindung zu Gott. Sind das spirituelle Werte, die du von deinen Eltern übernommen hast? Viele junge Leute haben ja ein Problem mit der christlichen Tradition der Elterngeneration...


Patrice: Junge Menschen werden immer die Wertvorstellungen ihrer Umgebung hinterfragen, um herauszufinden was für sie wirklich wichtig ist. Für mich ist Spiritualität äußerst wichtig. Ich meine es gibt auf jeden Fall sehr verschiedene Level. Du kannst fühlen, riechen, schmecken. Weiterhin gibt es jetzt auch noch eine Ebene die nicht direkt wahrnehmbar ist, Spirit. Weißt du, von unserem gesamten Gespräch das hier stattfindet sind vielleicht gerade einmal 20 Prozent Worte. Alles andere funktioniert über Vibes und andere Dinge...


Musik-base: Was möchtest du mit „Free-Patri-Ation", dem Titel deines neuen Albums, ausdrücken? Das hat doch bestimmt einen tieferen Hintersinn...

Patrice: (lacht) Klar, alles was ich mache hat doch einen Sinn! So bezieht sich der Titel auf das Wort „Repatriation", das eine Bewegung ehemaliger Sklaven beschreibt, die zurück nach Afrika gegangen sind. Die kamen halt in Ländern wie Sierra Leone oder Liberia an und haben dort ihre eigenen Städte gegründet. So stammt der Stadtname „Freetown" noch aus dieser Zeit. Ich denke die Suche nach einer Heimat ist einfach ein existentielles Thema. Daher habe ich den Titel als Parabel gewählt. „Free-Patri-Ation" heißt somit auch die Freiheit zu wählen, was auch wieder im Zusammenhang mit der Such nach etwas steht. Gerade durch die neuen Medien können wir in unglaublich vielen Kulturen nach sinnvollen Inhalten suchen und selbst entscheiden, was einem gefällt und was nicht.

Kurz gesagt: Ich schaffe mir einen Raum, in dem ich mich frei fühle und wahrhaftig bei mir bin. Also einen Zustand den du kreierst, egal wo du bist.

Genau das habe ich gemacht als ich das Album aufgenommen habe. Ich habe mich von den Zwängen befreit und bin zu mir selbst zurückgekehrt.

Musik-base: Welche Gäste kann man auf deinem Album erwarten? Gibt es wieder Rap - Features...?

Patrice: Zum Beispiel ist Ayo dabei. Bei unserem gemeinsamen Track mache ich so eine Rappart ... Das kommt vor allem auch durch Comissioner Gordon der Produzent, der hat ja schon mit KRS - One und Lauryn Hill zusammengearbeitet. Und er hat einfach super viel Rap gemacht. Daher kommt dieser HipHop Einfluss.

Das einzigartige bei HipHop ist, dass diese Kultur so einen großen Einfluss auf andere Musikrichtung hat. Wenn man sich viele Popproduktionen heutzutage anhört, sind davon fast die Hälfte durch HipHop beeinflusst worden. Und umgekehrt auch. HipHop wird durch so viele Elemente beeinflusst und bleibt trotzdem HipHop. Das kann keine andere Musikrichtung...

Musik-base: (alarmiert) Moment! Was ist mit Elektro? Da bedient man sich auch aus allen Epochen und baut ganz postmodern etwas Neues, das die Vergangenheit widerspiegelt...

Patrice: Nein...na, ja...obwohl... etwas vielleicht. Aber so richtig krasse, lange Samples aus den Achtzigern verbinde ich vor allem mit HipHop. Ich bleibe dabei fast ALLES was heutzutage in der Popwelt veröffentlicht wird, ist HipHop beeinflusst. Egal, ob Madonna , Britney Spears oder sonst wer, jeder lässt sich durch HipHop beeinflussen. Die Beats sind heute fast alle mit einer MPC gemacht....


Musik-base: Was kann man von der Tour zu dem Album erwarten. Bei dem Eins Live Tag habe ich dich bei einem Akustikkonzert in Bielefeld gesehen. Bist du wieder mit einer Band unterwegs? So ein Akustikkonzert ist ja meist was für Zuschauer, die einen ruhigen Abend mit ihrer Freundin machen wollen...

Patrice: Ein Akustikkonzert ist viel persönlicher. Mir gefällt das sogar besser, gerade wenn man sich einem Künstler annähern will, um diesen wirklich zu fühlen und zu begreifen ist ein Akustikkonzert bestens dazu geeignet. Man hat nur eine Gitarre und sich selbst. Zum Abgehen ist natürlich ein Orchester besser.

Auf meiner Tour bin ich auch wieder mit einer Band unterwegs. Und die Band ist richtig krass! Das sind die besten Musiker die ich finden konnte. Die haben schon mit Jamiroquai , Pink und vielen anderen gespielt.

Bei der Tour wird es dann auch richtig abgehen. Also, kannst du diesmal auch mit deinen Jungs kommen (lacht).









       

1 Kommentare zu Patrice im Interview

Autor Kommentar

Chiller

Dienstag, 13. Mai 2008, 22:48 Uhr

Super Interview! das neue Album wird bestimmt auch wieder der Hammer... Musik-base.de hat auch coole Seiten ;)



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