Future Sound of London Portrait
Wie klingt wohl die Zukunft von London? Um das herauszufinden, kann man ganz einfach mal in die Vergangenheit lauschen, denn „The Future Sound Of London“ ist der Name einer britischen Band, deren Heimat eigentlich Manchester ist. Ihre beiden Gründer Gary Cobain und Brian Dougans gelten noch heute als Pioniere des Techno und Ambient. Weil sie sich zunächst aber nicht auf eine konkrete Form zur Verwirklichung festlegen wollen, beschließen sie, sich in sämtlichen Bereichen der zeitgenössischen Kunst auszutoben. Sie beschäftigen sich sowohl mit Film und Video, als auch mit Computeranimationen und Radio. Am Ende landen sie 1991 dann aber doch wieder bei der Musik, und diese klingt genauso experimentierfreudig, wie sich Cobain und Dougans zuvor auf der Suche nach kreativer Erfüllung gezeigt haben. Das Duo ist aber nicht nur einfallsreich, ihre Vereinigung trägt auch enorm schnell die ersten kreativen Früchte: Noch im selben Jahr nehmen sie mit ihrem Debütalbum „Accelerator“ Fahrt auf. Will man die Musikrichtung einem Genre zuordnen, dann wäre dieses wohl Dance – doch das widerspricht eigentlich dem, was die beiden Briten im Sinn hatten, als sie sich für die Musik entschieden: Sie versuchen den Sound der Zukunft in der Gegenwart auf CD zu pressen. Und damit auf die Silberlinge auch nur genau das eingebrannt wird, was die Künstler wollen, gründen sie ihr eigenes Label „Electronic Brain Violence“. Weltweit ungewöhnlich und in England einzigartig ist ihr Potpüree aus klassischer Musik mit Jazz- und Hip Hop-Einflüssen, garniert mit ein bisschen Industrial. In ihrer dreijährigen Pause ohne neue Veröffentlichungen steigt dann die Experimentierfreude des Duos stetig an: Jetzt erscheint es unmöglich, „The Future Sound Of London“ mit einem Musikstil umfassend zu beschreiben. Ihr Sound wird immer komplexer, vielschichtiger…und erfolgreicher. Das Nachfolgealbum „Lifeforms“ schafft es bis in die Top 10 der UK-Charts. Trotzdem wird auch der Band mit ihrem vierten und bis dahin letzten Album „Dead Cities“ vorerst das Leben genommen. Cobain und Dougans bleiben aber als Duo bestehen und machen auch weiterhin Musik, von da an aber unter dem Namen „Amorphous Androgynous“. Das ist eines ihrer zahlreichen Nebenprojekte, dass sie kurzfristig zu ihrem Lieblingskind erklären. Ganze zehn Jahre dauert es, bis „The Future Sound Of London“ wieder auf der Bildfläche der Musikwelt erscheint. Das experimentierfreudige Duo bringt zwar zunächst nur ein Best Of-Album heraus, verwöhnt die Fans dann aber in den nächsten beiden Jahren mit insgesamt vier LPs, die voller unveröffentlichtem Material sind. Jetzt sind Cobain und Dougans in ihrer Zukunft angekommen, deren Sound sie vor mehr als einem Jahrzehnt produziert haben. Der neue zukünftige Sound wird dann vielleicht klingen wie 2020, aber wenn sie ihrem Namen gerecht werden wollen, schon weit vorher erklingen.
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