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Vanessa Petruo Biographie

Vanessa Petruo

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Vanessa Petruo: „Ich wusste, was ich nicht mehr wollte und ich stand lange vor dieser Gabelung. Ich hätte am liebsten aufgegeben und alles hingeschmissen, aber ich hatte viel Glück, durch die Menschen, die an mich glauben, die mich inspirierten und eine neue Seite in mir weckten, und durch unsere Songs, die wirklich etwas von mir erzählen, meinen Gedanken, meinen Gefühle, meinen Ansichten.“

Es gibt sie wirklich, die großen kleinen Momente im Leben, die alles auf einen Schlag verändern, die einem die verloren geglaubte Stärke wiederbringen, den Blick für das Wesentliche schärfen und plötzlich klar erkennen lassen, welchen Weg man gehen will – und gehen muss. Mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit resümiert Vanessa Petruo über ihr Leben als Teil einer über die Landesgrenzen hinaus erfolgreichen Musiksensation und ist sich über die Schwierigkeiten bewusst, einen künstlerischen Neuanfang zu wagen. Die Suche, wie die 25-jährige Sängerin und Songwriterin den Weiterentwicklungsprozess beschreibt, führte sie nach anfänglichem Zögern zurück ins Studio, wo sie zusammen mit den Oja Tunes erste Songs erarbeitete und das demnächst erscheinende Solo-Debütalbum aufnahm. Ein eigener fassettenreicher Sound, dezent eingesetzte Popelemente und ein reiferer, urbaner Stil prägen ihre Songs, die bewegen, berühren und vor allem direkt aus dem Leben erzählen.

„Es war eine Stunde. Genau eine Stunde im Studio mit diesen wunderbaren Musikern, die mich ernst genommen haben und gut fanden, dass ich mit meinen Gedanken und meinen Songs eine Vision habe. Ich wollte nen funkigen Sound, mit rockigen Riffs und bluesigem Gesang. Meine Vorbilder waren Betty Davis, Janis Joplin, Nikka Costa, Lewis Taylor und viele alte Motownsongs, wie auch Blues Gitarristen. Einen einzigen Song, wollte ich covern, weil es der erste Song war, den ich mit 14 vor Publikum gesungen hab und weil er genau das ist, was ich musikalisch und textlich empfunden habe. Miss Celies Blues. Es ist aufgegangen und es hat alles verändert. Es war, als wäre plötzlich das Gleichgewicht wieder hergestellt. Diese zweite Chance zu bekommen, ist ein Geschenk, für das ich unendlich dankbar bin“, beschreibt Vanessa Petruo den Moment im November letzten Jahres, der alles änderte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Berlinerin andere Wege beschritten. Nach der Trennung der No Angels und einer verdienten Auszeit, die sie für Reisen und das Schreiben ihrer Texte, fernab des Rampenlichts nutzte, kam eine Phase, die Vanessa als „Reinigung“ bezeichnet.

„Das Leben als Popstar war wie ein Pakt mit dem Teufel. Lebe deinen Traum und danach verschluckt er dich und du warst nie mehr gesehn. Ich hab dem Teufel tief in die Augen geschaut, bin wahrlich durch die Hölle gegangen und hab ihm dann laut ins Gesicht gelacht.“

Nachdem sie ihr Leben wieder in geordnete Bahnen gelenkt hatte, kam ein Prozess der Wiederfindung. „Ich wollte keine Kompromisse mehr. Ich hab mich gefragt, wo der Sinn darin liegt, wieder einer Idee zu folgen, die nicht meine war. Etwas darzustellen, was ich nicht bin und Songs zu singen, die nichts mit mir zu tun haben – nur, weil irgendwer ein tolles Marketingkonzept dazu in der Schublade hatte.“ Sie besuchte das Team der Oja Tunes im Studio und bastelte in entspannter Atmosphäre an einem ersten Track – „I Don’t Need A Gun“. Das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wurde und die Begeisterung des Teams überzeugten Vanessa und setzten neue Energien frei.

„Ich hab mich oft beim Songs schreiben vor den Anderen nackt gefühlt, und es hat mich große Überwindung gekostet, ihnen meine Texte zu zeigen. Oft hab ich sie lieber gleich eingesungen und später zum Lesen gegeben. Wahrscheinlich kann sich da draußen kaum einer vorstellen, dass ich ein Grübler, Einzelgänger, manchmal sehr trauriger Mensch bin, und schon gar nicht, dass ich Ideale und einen großen Anspruch in Sachen Musik habe.“

Der erste gemeinsame Track brachte die Entscheidung über die kommenden Monate und für eine enge Zusammenarbeit. Gleichzeitig sagt „I Don’t Need A Gun“ viel über Vanessa Petruos Weg und den Neuanfang aus. Es ist eine Unabhängigkeitserklärung und das Lossagen an die Vergangenheit – mit all ihren schönen aber auch weniger schönen Seiten. „Sicher, ich singe von einem Mann, aber gemeint ist viel mehr. Auf eigenen Beinen stehen, erwachsen werden und wieder aufstehen, wenn man hingefallen ist, sind eigentlich die Aussage des Songs. Den Song zu schreiben war für mich auch eine Art Loslassen von einer schönen und gleichzeitig schmerzhaften Version eines Traums. So ist es in der Liebe und so ist es nun mal auch im Rest des Lebens.“

Ein Teil ihrer Songs thematisiert die Suche nach sich selbst und seinem Weg im Leben und Vanessa Petruo schafft es mit vielschichtigen, intelligenten und originellen Texten neue Ansätze zu finden, um sich den Fragen anzunähern. „Ha-Ha Dont Waste Ya Time“ beschreibt das Gefühl, es immer allen recht machen zu wollen. „. Es ist kraftraubend, anstrengend und führt zu keinem gesunden Ziel. Ich wollte unbedingt geliebt werden, hab so viel gelächelt, wie ich konnte, und so meine Unsicherheiten kaschiert. Es hat mir nichts gebracht. Ich musste mühsam lernen mich selbst zu lieben, um echt sein zu können.

Auch „Hot Blooded Woman“ setzt ein klares Statement und macht verspielt, aber mit Nachdruck deutlich: „Ja, ich bin Latina, sehe so aus, bin in dem Salsa-Club meiner Mutter groß geworden, höre Folklore bis Merengue auf spanisch und kann alles mitsingen, aber ich bin dehalb nicht nur eine Frau mit viel Temperament und Kurven. Was an diesen Frauen immer haften bleibt, ist dieser Nachgeschmack von oberflächlicher Lebensfreude – hauptsache immer sexy. Ich kann das einfach nicht mit mir vereinbaren. Meine Großeltern z.B. haben mir immer andere Werte vermittelt und mich neugierig auf die Welt und Musik gemacht. Es gibt sicherlich einige Latinas in Deutschland, die gerne die deutsche Antwort auf J.Lo wären. Ich auf jeden Fall nicht.“

Es sind die kleinen, feinen Beobachtungen des Lebens, die in ihren Songs zu Geschichten werden. „Made Of Stone“ erzählt viel von der privaten Vanessa. „Ich bin ein Freidenker, lebe hier und im nächsten Augenblick bin ich weg. Ich hätte mir gern manchmal eine ernsthafte Beziehung gewünscht, aber leider hab ich auf meinem Weg noch nicht den Richtigen gefunden. Vielleicht wollte ich mit dem Song dem einen oder anderen Menschen sagen, dass es dennoch oft weh getan hat, wenn ich ohne ihn weiter gezogen bin.“

In ihren Balladen thematisiert Vanessa Petruo auch die dunkleren Seiten der Persönlichkeit – etwas, das sie als wichtigen Teil ihrer Entwicklung beschreibt. In „Can’t Change It“ wie auch in „Enemy“ und „I Wish You Love“ schreibt sie über den unaufhaltsamen und kraftraubenden Zustand der Depression und Lethargie, dem düsteren Teil der Seele. „Man muss darüber sprechen, denn es passiert in unserer Gesellschaft öfter, als viele denken. Sich gefangen zu fühlen in diesem Zustand ist auch mir nicht fremd und ich weiß, wie schwer es ist dagegen anzukämpfen. Und man muss dagegen ankämpfen, um ein gesundes Leben führen zu können, bevor sich paranoide Zustände oder Persönlichkeitsstörungen breit machen. Ich selbst unterstütze jede Aufklärung in diese Richtung, weil ich weiss, wie schwer es für einen jungen Menschen ist, eine solche Krankheit zu erkennen und ihr nicht zu verfallen. “

Einer der bewegendsten Songs auf dem Album - „Father“ - beschreibt den Wunsch nach Nähe, Glauben und Liebe. „Father“ ist vielleicht der persönlichste Song und verdeutlicht gleichzeitig auch Vanessas musikalische Entwicklung. In „Why???“ setzt sie sich mit den Eindrücken auseinander, die sie auf ihren Reisen, u.a. nach Peru, zu den Wurzeln ihrer Familie und der Heimat ihrer Großmutter gesammelt hat. „Glück kann man meiner Meinung nach nur durch Nächstenliebe, Mitgefühl und Großzügigkeit erlangen. Manchmal sind das ganz kleine Gesten, die aber sehr große Reaktionen hervorrufen können.“

Mit viel Humor und einer gewissen Gelassenheit komplettieren „B.B.B.“ und „Call Dr. Music“ das vielschichtige Debüt. „Auch in meinem Leben gab es die eine oder andere Frau, die einfach vor Stutenbissigkeit nur so um sich getreten hat. Du versuchst alles, um mit solch einer Person klar zu kommen und sie will einfach nicht. Irgendwann kann man nur noch sagen: Okay, Bitch, dann halt nicht!“, lacht Vanessa Petruo und erzählt, dass Humor auch beim Schreiben von „Call Dr. Music“ ein wichtiges Element war: „Es ist ja eigentlich Kritik an den Leuten der Musikindustrie, die sich überhaupt nicht um die jungen Menschen kümmern, die sie so unvorbereitet und ungeschützt ins Rampenlicht stellen. Aber auch Kritik an diesen Popsternchen, die sich gerne im vergänglichen Hype treiben lassen, um dann irgendwann feststellen zu müssen, dass sie eigentlich gar nichts in eigenen Händen haben. Und es ist okay. Nur so lernt man. Aber man sollte spätestens die zweite Chance nutzen und sich nicht darin verlieren, was dieses Business so an Fallen aufgestellt hat. Am Ende des Tages geht es halt nicht nur um dich, sondern um Musik und dann erst auf die Parties.“

Die Fertigstellung und Veröffentlichung ihres Solo-Debütalbums bedeutet für die 25-jährige Sängerin und Songwriterin mehr als den nächsten Schritt ihrer musikalischen Laufbahn.

„Superbad“ und „Agin´ Toy“, die sowohl den großen Wunsch nach Nähe zum Publikum, wie auch die Angst davor ausdrücken, bringen das wohl am Besten auf den Punkt:

„Im letzten Jahr habe ich viele Kämpfe mit mir ausgetragen. Ich wollte aufhören, nicht mehr in der Öffentlichkeit stehen, mich all dem nicht mehr stellen. Aber als ich meiner Oma von meinen Ideen, Songs und Texten erzählte, musste sie nur schmunzeln, packte mich und meinte: „Ich würde es tun. Mama Lilla Would.” Da es nichts zu entgegnen gab, lasse ich jetzt meine Musik für mich sprechen."
     

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