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Al Green Biographie

Al Green

In den vergangenen Jahren hat Reverend Al Green seine gesegnete Stimme fast ausschließlich zum Anstimmen kirchlicher Gospels genutzt. Umso wunderbarer ist es, dass die lebende Legende jetzt nahezu unerwartet und nach fast zehn Jahren Pause ein neues Soulalbum veröffentlicht. Ein Album, das zudem genau dort anknüpft, wo Green in seinen besten Jahren aufhörte: "I Can't Stop" hat dieselbe unverwechselbare Stimme, dieselben Background-Sänger, dieselben Bläsersätze, dieselben warmen Hammond-B3-Sounds und denselben Produzenten wie die gefeierten Green-Juwelen der siebziger Jahre. Zwar ist nicht bekannt, wie Greens Heimatgemeinde in Memphis das weltliche Werk ihres Hirten aufnimmt. Al-Green-Fans in der ganzen Welt dürften allerdings ein frohes Halleluja anstimmen, erreicht der Künstler mit seiner ersten Blue-Note-Veröffentlichung "I Can't Stop" doch genau das, wohin auch seine sakrale Arbeit strebt - ein Stück Unsterblichkeit.

Mit Songs wie "Tired Of Being Alone", "I Can't Get Next To You", "I'm Still In Love With You", "Call Me", "Here I Am", "Let's Get Married" oder "Love And Happiness" sang sich der Soul-Charismatiker Al Green in den siebziger Jahren in den Pop-Olymp. Noch heute gelten Green und seine Songs als Inbegriff von Coolness. Ganz bewusst setzte Quentin Tarrantino zum Beispiel Al Greens "Let's Stay Together" beim "Pulp Fiction"-Soundtrack ein.

Greens Stimme wurde regelmäßig von einem einzigartigen, selig machenden Sound emporgetragen, für den seinerzeit der schon damals legendäre Produzent Willie Mitchell verantwortlich zeichnete. Ein Sound übrigens, der nicht nur für Green, sondern zugleich für das gesamte Programm von Hi Records symptomatisch war - jenem Label, das die Geschichte des Soul ebenso prägte, wie das damals ebenfalls in Memphis ansässige Stax-Label. Heute gleicht Memphis, Tennessee einer urbanen Vitrine für Musikgeschichte. Das wieder aufgebaute Stax-Studio ist ein Museum, die in Songtexten vielfach verewigte Beale Street eine mit Andenkenläden gespickte Touristenfalle. Die Royal Studios indes, wo einst die wichtigsten Green-Einspielungen entstanden, sind immer noch in Betrieb. Lokale Bands und HipHop-Formationen nehmen in dem ehemaligen Stummfilmkino auf, und noch immer hält Poppa Willie Mitchell hier die Fäden in der Hand.

Es ist heute fast genau fünfunddreißig Jahre her, dass sich Mitchell und Green das erste Mal begegneten. Mitchell hatte 1969 schon einige Singles produziert, die sich ganz gut in den Musikboxen des US-amerikanischen Südens machten. Zur gleichen Zeit tourte ein junger, aus Michigan stammender Sänger durch den Landstrich. Sein Name war Al Greene. Kurze Zeit darauf strich er das letzte "e" aus seinem Namen, sprach in den Royal Studios vor - und einige Wochen später war eines der großartigsten Songwriter-Teams der Popgeschichte geboren. Mitchells raffinierte Arrangements mit ihren delikaten Bläsern und Streichern lieferten die perfekte Plattform für Greens einzigartige Stimme, die selbst im Radio bis heute unter tausenden hervorsticht. Das musikalische Umfeld rekrutierte Mitchell dabei vor allem aus der eigenen Verwandtschaft: Die Band bestand aus Mabon "Teenie" Hodges (Gitarre), Leroy Hodges (Bass), Charles Hodges (Piano) sowie Al Jackson jr. oder Howard Grimes am Schlagzeug. Mitchells Bruder James zeichnete für die Bläser-Arrangements verantwortlich. Vollends magisch wurde es, als Mitchell mit Donna Rhodes, Sandra Rhodes und Charlie Chalmers dann auch noch einen Background-Chor hinzufügte.

Willie Mitchell hat Al Green nie nur aufgenommen, arrangiert und produziert, sondern einst auch den Kern von dessen Begabung hervorgekitzelt. "Ich versuchte, wie Jackie Wilson, Wilson Pickett, James Brown und Sam Cooke zu singen", erinnert sich Al Green an seine frühen Tage. Geboren in Forest City, Arkansas, hatte er 1967 unter dem Namen Al Greene and the Creations mit "Back Up Train" immerhin bereits eine Single veröffentlicht, die die oberen Ränge der nationalen Rhythm'n'Blues-Charts streifte. "Und dann kam Willie und sagte: ‚Sing' einfach wie du selbst'. Ich wusste nicht, wie das gehen sollte, deshalb mussten wir es erst herausfinden." Mitchell ergänzt: "Es dauerte wirklich lang, darauf zu kommen, aber wir arbeiteten von elf Uhr morgens bis zwei Uhr nachts daran. ‚Can't Get Next To You' war schon recht nah dran, und mit ‚Tired Of Being Alone' hatten wir's dann."

Viel Zeit ist seitdem vergangen. Eine Zeit, in der sich die Welt von Grund auf wandelte und kaum etwas blieb, wie es einmal war. Green konzentrierte sich seit den achtziger Jahren auf seine Arbeit als Prediger, und Mitchell beobachtete, wie sich die Musikszene in Memphis immer und immer wieder änderte. Eines Tages dann, im Februar 2003, saßen Green und Mitchell wieder zusammen. "Ich hab's dir schon mal gesagt, Al", erinnert sich Mitchell mit einem Lächeln an die damalige Unterhaltung, "du wirst ein bisschen älter, deshalb solltest du noch mal etwas Musik mitschneiden. Und er sagte: ‚Dann lass' uns mal an die Arbeit gehen.'" Und dann wollten es beide noch einmal wissen - ob die Chemie noch stimmt, die Flamme sich noch einmal entzünden lässt. Also setzten sie sich ans Piano und schrieben eine Handvoll Songs. Drei Wochen arbeitete das Dream Team zusammen, brachte dabei acht Songs gemeinsam zu Papier; vier weitere schrieb Al allein.

Aus den Songs wurden Arrangements, aus den Arrangements Aufnahmetermine. Mabon "Teenie" und Leroy Hodges wurden einbestellt, den Rhythmus zu erden. Auch die Royal Horns kamen ins Studio, mit zwei Originalmitgliedern aus den alten Tagen. Donna Rhodes, Sandra Rhodes und Charlie Chalmers bewiesen, dass ihre Stimmen um keinen Tag gealtert waren. Lawrence "Boo" Mitchell, Sohn von Willie und Co-Produzent des Albums, erinnert sich enthusiastisch: "Diese Sessions waren das aufregendste und überragendste Ding, das ich jemals erlebt habe. Al ist ein Meister der eigenen Stimme - beim Singen ging und tanzte er herum, aber trotzdem kannst du hören, dass er jede Note einfach perfekt trifft."

Tatsächlich dokumentiert "I Can't Stop" in jedem Augenblick, dass die unglaubliche Dynamik und die außerordentliche Geschmeidigkeit von Greens Stimme ungebrochen ist. Mit ganz viel Seele entzündet er den erhabenen Stolz von "Play To Win" und den euphorischen Groove von "I've Been Waitin' For You". Er zelebriert das feierliche "Million To One" genauso wie "I'd Still Choose You", einen fast lupenreinen Popsong. Langsamere Tracks wie "Rainin' In My Heart" oder "Not Tonight" lotet er in ihrer ganzen ozeanischen Tiefe aus. "I Can't Stop" zelebriert aber nicht nur dieselbe Stimme, sondern auch denselben Sound von Hi-Records-Albumklassikern wie "Green Is Blues" (1970), "Al Green Gets Next To You" (1972), "Call Me", "Livin' For You" (beide 1973), "Al Green Explores Your Mind" (1974), "Al Green Is Love" (1975), "Full Fire" und "Have A Good Time" (beide 1976). Es ist diese typische Mischung aus Memphis Soul, Gospel, Blues und einigen Rudimenten des frühen Rock'n'Roll. "Es war pure Magie", erinnert sich Green. "Wir kamen zusammen, weil Willie sagte, er wolle ein akustisches Gemälde anfertigen. Er sagte, wir wollen es vollenden und signieren." Tatsächlich ging die Leidenschaft zur Werktreue so weit, dass Green sogar dasselbe (und also keineswegs nur das gleiche) RCA-No.9-Mikrophon wie damals benutzte. Es ist bis heute exklusiv für ihn in den Royal Studios reserviert.

"I Can't Stop" ist zugleich Feier und Fortführung des klassischen Frühsiebziger-Sounds von Al Green. Die Platte ist purer Memphis Soul, gemacht von den Meistern selbst. Die Bläser-Arrangements und Streicher-Orchestrationen von Mitchell und Lester Snell wechseln zwischen Seufzen und Jubilieren, und der verführerischen Stimme von Al Green kann sich ohnehin niemand entziehen. "Seine Stimme ist sein Instrument", sagt Willie Mitchell. "Er kann alles mit ihr machen. Er ist der Beste, den ich je gehört habe."
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