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Amy Winehouse Biographie

Amy Winehouse

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Wenn man in London einen guten Tag erwischt, kann man in den Genuss des typischen ‚Melting Pot’ Sound kommen. Aus einem Café hört man Jazzmusik, aus den vorbeifahrenden Autos dröhnen HipHop Beats und tiefe Bässe. Aus dem Plattenladen in der Nachbarschaft vibrieren die guten, alten Reggae-Sounds. Zuhause angekommen, wird man vom lärmigen Mitbewohner mit R’n’B aus dem Fernsehen beschallt.

Das wird so nicht jeden Tag passieren, aber wenn jemand dort sein ganzes Leben verbracht hat, selbst wenn das erst 19 Jahre sind, so ist diese Mischung aus urbanen Sounds dieser Person bereits in Fleisch und Blut übergegangen und sie ist in ihrer Entwicklung – zumindest musikalisch gesehen – weit voraus. Es kann sich bei dieser Person um ein Mädchen handeln, weiß oder schwarz. Sie könnte lustig, tough, clever, idealistisch und der Musik tief verbunden sein. Wenn sie nun über eine Stimme verfügt, die zeitlos und sehr erotisch klingt und in der Lage ist, einen Stein zum Schmelzen zu bringen, hört sich das zu gut an um wahr sein zu können.

Amy Winehouse kommt aus London und ist Teil des weiten musikalischen Universums, das in irgendeiner Weise mit Soul zu tun hat.

Geboren und aufgewachsen in Nord-London, verbrachte sie ihre Teenager-Zeit damit, den Balance-Akt zwischen Schule und Freund hinzubekommen. Sie verbrachte Stunden in ihrem Zimmer, fasziniert von klassischen Stimmübungen. Ihre Stimme jedoch führt ein Eigenleben, mal bleibt sie ganz weg, dann wird sie hoch, bricht wieder ab, dann geht sie ins Gefängnis und verschafft sich Hafturlaub indem sie mit einem bewaffneten Wahnsinnigen das Land verlässt – so hört es sich zumindest an.

Dass sie ein wahres Stimmwunder ist, behält sie noch für sich. Wenn es noch mehr Worte braucht um diese erotische, sanfte, spirituelle, flirtend samtige, volltönende Stimme mit dem Late Night-/Ich habe die Schnauze voll-/Downtown-Appeal, die eine großartige Jazzsängerin ausmacht, zu beschreiben, wird man an Amy komplett scheitern. Das stimmliche Talent alleine ist schon eine Sensation, aber das Mädchen aus Camden, das den Blues singt, ist auch nur die halbe Schlagzeile.

Amy ist nicht die Art von Person, die die Gabe ihrer stimmlichen Begabung annimmt, sich zurücklehnt und wiedergibt, was andere zuvor schon getan haben. Ohne großen Plan, einfach so als wäre es das Natürlichste auf der Welt (und das ist es auch), hat sie ihre Liebe zum Jazz und Soul mit einer ganz eigenen Nuance verfeinert.

Sie hört sich vielleicht wie eine Jazzsängerin aus den 40er Jahren an, aber sie benutzt aktuelle Beats und Texte. Eine Ein-Man-Guerilla-Force, die sich der urbanen Musik mit Anleihen im R’n’B und HipHop widmet. Sie lässt ihrer Stimme freien Lauf, wo es nötig ist. Ihr Style eignet sich nicht für einen Abend mit Kerzenschein. Er passt zu der realen Welt mit Gucci Taschen, Diesel Unterwäsche, High Heels, Brustimplantaten, Kiffen nach der Schule, ständig wechselnden Schwärmen und den verschiedenen Variationen von Mann-Frau-Beziehungen im Jahr 2004. Vergesst einfach die Themen von gestern.

„Ich war nicht da, deswegen kann ich nicht darüber schreiben“, so Amy. „Ich bin jung und ich bin eine Grosstadtpflanze. Ich kann nur über das schreiben, was ich selbst erlebt habe. Ich könnte nicht über etwas schreiben, dass ich nichts selbst durchstehen musste, weil es nicht fair ist. Und nur die Erfahrung so etwas zu erleben, macht dann den ganzen Song aus. Es macht für mich keinen Sinn einen Song zu schreiben, es sei denn er ist eine Herausforderung in allen Belangen. Ich mache nicht irgendwas, wenn es mich nicht herausfordert. Das ist der Grund, warum ich angefangen habe Songs zu schreiben: wirklich um mich selbst herauszufordern.“

Amy hat ihre erste Gitarre mit 13 bekommen. Ihre Mutter, in Brooklyn geboren und London aufgewachsen, war ein großer Fan von Folkmusik und so war es für Amy ganz natürlich, dass sie angefangen hat auf der akustischen Gitarre zu spielen. Carole King und James Taylor wurden mit Vorliebe auf der heimischen Stereoanlage gespielt, aber Amy fühlte sich mehr zu der Jazzmusik ihres Vaters hingezogen. Unter der Obhut ihres Vaters widmete sie sich ausgiebig der Musik von Sarah Vaughn und Dinah Washington („Mein Dad hat immer behauptet, dass er mich entdeckt hat“). Dank ihrer Großmutter hat sie sich auch einiges von Frank Sinatra angeeignet.

Wie jedes neugierige, talentierte Stadtkind hat sie einige Phasen durchlaufen. Da gab es die Grunge-Phase und die Zeit als sie sich mit Hendrix beschäftigte. Ihre Beschäftigung mit Musik kam zu einem Stillstand als sie die Sylvia Young Stage School in Nord-London besuchte. Sie wurde der Schule verwiesen „weil sie sich nicht anpassen konnte“ und, weil sie ein Nasen-Piercing trug. Der Wechsel zu einer Mädchenschule in Süd-London half jedoch nicht, ihr das Schulsystem näher zu bringen, aber als kleinen Nebeneffekt konnte sie ihre Technik an den Instrumenten verbessern.

„Ich war eher so „Wo sind die Männer, was geht ab?“, erinnert sich Amy. „Als ich 15 war, habe ich mich eingeschlossen und nur Musik gemacht, weil ich die Schule gehasst habe. Mittags und zu jeder Pause war ich im Musikzimmer und habe Gitarre oder Klavier gespielt.“

Aus den Klauen des musikalischen Theaters entkommen und glücklich, einen Freiraum für sich gefunden zu haben um ihren Interessen als Musikerin und Sängerin freien Lauf zu lassen, widmete sich Amy intensiver der Jazzmusik. Der Klassiker „Standards“, den sie aus der Stage School kannte, klang steif verglichen mit den Jazz-Versionen. Von Ella zu Dinah hat sie sich mit den großartigen Klassikern beschäftigt. Ella war „technisch einwandfrei“, aber Dinah „konnte Jazzmusik machen und hat das letzte aus den Bluessongs herausgeholt...als sie mit zwölf Jahren den Kirchenchor dirigierte!

„Ich denke, dass es die Freiheit des Jazz war, die mich angesprochen hat“, so Amy. „Nicht unbedingt die avantgardistische Version, wie Coltrane, aber mit einem simplen Trio konnte ich persönlich viel anfangen. Ich konnte es heraushören, nur das Schlagzeug, eine Trompete oder Klavier – das ist das richtige für mich. Vier einfache Elemente, die zusammen gebracht werden, das ist die pure Form von Musik, einfach nur wunderschön. Ich denke, die Musik heute ist einfach nicht mehr das und ist nicht mal mehr Musik, zumindest viel davon.“

Mit 16 war Amy von der Musik infiziert, studierte Geschichte und trainierte ihre Stimme. Sonntagsmorgens trat sie mit einem Jugend-Jazzorchester auf. Gleichzeitig hat sie sich der urbanen Musik geöffnet. Ihre Mitbewohnerin war ein riesiger R’n’B-Fan – Jodeci und Jagged Edge. Und so ließ es sich nicht vermeiden, dass auch HipHop in ihre Kopfhörer gelangte und sie sich mit der positiven Message von Mos Def zu befassen und der Musik von Talib, The Roots, Erykah Badu. Dann hatte sie eine Zeitlang einen Freund, der ausschließlich Reggae hörte. Und so fügten sich die Bausteine aneinander: rauchige Grooves, Jazz und die richtige Haltung, daraus entstand Amys eigenes Ding.

„Die Art und Weise wie alles zusammen kommt, das bin ich - so versuche ich einfach in einem Song zu manifestieren, was in mir ist“, so Amy. „Es ist keine Täuschung, es ist einfach Soul. Ich habe ein Jahr lang nur Ray Charles gehört, nichts als Ray Charles. Er ist so eine Inspiration. Musiker wie er und Roy Ayers, die heute immer noch jeden Abend live spielen, weil es ihr Leben ist. Sie sind die Inspiration. Ich möchte an den Punkt gelangen, an dem ich einfach nur mein Instrument nehme und damit ausgehe. Ich nehme meine Trompete und gehe.“

Nachdem sich Amys einzigartiges Talent herumgesprochen hat, wurde sie kurz danach von einem Management unter Vertrag genommen und fing an, mit einigen Produzenten zusammenzuarbeiten. Island bekam die Musik zu hören und signte sie kurzerhand. Nun konnte Amy ihre Gitarre nehmen und gehen. In London arbeitete sie mit den Produzenten/Songschreibern Felix Howard, Matt Rowe und Stefan Scarbek und Stateside, dort tat sie sich auch mit Commissioner Gordon und Salaam Remi zusammen.

Amys Debüt-Album wurde nicht erzwungen. Es entstand in einem natürlichen Prozess mit ihrer jugendlichen Leidenschaft, ihrem angeborenen Talent und einer nicht zu stillenden Neugier. Vielleicht ist das auch der Grund für die gesunde Ausgeglichenheit des Albums, es gibt alte und neue Sounds, rauchige Balladen und Beats, Sommer und Herbst. Es ist ein Album, das man genauso neben „The MisEducation of Lauryn Hill“ stellen kann oder Dinahs „After Hours With Miss D“. Es gibt schnelle Beats und Grooves, die swingen. Eine Wurlitzer Orgel swingt zu einem traurigen Lamento. Fröhliche Horn-Samples verwandeln sich in Sonnenschein. Es gibt Pausen, in denen Flöte und akustische Gitarre übernehmen. Ein statisch gesampelter Beat geht über in einen entspannten Groove. Die Bassline wird wieder lebhafter. Und damit einhergehend holt Amy das letzte aus den Songs heraus, ob nun hitzig, frech, traurig oder voller Soul.

„Wenn man von einem Ort kommt, wo du es von alleine spürst, kommt es heraus“, sagt sie. „Du musst nicht mal darüber nachdenken, dass du es jetzt sexy singen willst, es passiert von alleine. Es ist ein Gefühl, man kann nicht darüber nachdenken, man singt einfach.“

Amys Debüt zeigt eine Sängerin, die aus tiefstem Herzen singen kann, die aber auch Licht und Schatten in den Turbulenzen der Stadt findet. Es gibt auch Übermut in Missy Amys Bekenntnissen. In „Fuck Me Pumps“ (geschrieben mit Salaam Remy) macht sie sich über „Mädchen, die ernsthaft denken, dass sie nur einen perfekten Mann kennen lernen müssen und dann wird ihr Leben perfekt“ lustig. In „I Heard Love Is Blind“ geht es darum, dass ein Geliebter mit einem Lookalike getäuscht wird. „Close To The Front“ handelt von Amys drei Lieben ihres Lebens und beginnt mit der zu ihrem Biologie-Lehrer. In der neuen Version des alten Klassikers „Mr Magic“ besingt Amy einen irgendwie erregbaren, beruhigenden, metaphorischen Liebhaber.

Das Album enthält auch ihre Versuche und erlebten Turbulenzen im Dschungel der Liebe. Mit „What Is It About Men?“ rechnet sie hart mit sich selbst als auch dem anderen Geschlecht ab. In „Stronger Than Me“ soll aus einem passiven Geliebter ein richtiger Mann werden. Die wunderschöne Ballade „Take The Box“ wurde direkt nach einer Trennung geschrieben, in der Phase in der man sich gegenseitig die vergessenen Sachen zurückgibt. Während die leidenschaftliche Stimme, die Glas zum Schmelzen bringen kann, in Begleitung des Klaviers mit „You Sent Me Flying“ anschaulich von der Intensität einer neuen Liebe erzählt.

Amy Winehouse lässt keine große Lücke zwischen ihrer Person und den Aufnahmen. Sie erzählt aus dem Leben. Es ist ein weiteres Wunder, dass man sie an einem Punkt erwischt hat, an dem die Leidenschaft und Freude am Leben intensivst erlebt werden. Urbaner Musik gesungen von einem leidenschaftlichen, reifen Teenager kann kaum mehr Leben eingehaucht werden als es hier passiert ist. Es ist eine Art Verschmelzung von Jazz, HipHop, R’n’B und Soul. Alle einzelnen Genres wurden selten mit so viel Lebhaftigkeit auf einmal konfrontiert.

Ein Titel des Albums heißt „October Song“, in ihm wird die Realität, in der ihr Kanarienvogel stirbt, zu einer herrlich verträumten Elegie. Vielleicht ertrug das arme Tier es auch nicht, dass es Teile eines Songs wurde.

„Ich hoffe nur nicht, dass die Leute meine Songs hören und dann denken: Aha, da singt ein weißes Mädchen aus London“, so Amy. „Ich hoffe, sie denken: dieses Mädchen hat definitiv den Soul. Sie ist zwar jung, aber sie hat schon einige Erfahrungen gemacht auf die sie sich beziehen kann. Ich denke, man wird mich in eine Schublade stecken, das lässt sich nicht vermeiden. Aber meine Musik ist puristisch und, wenn ich schreibe, habe ich keinen Plan. Ich schreibe einfach, was ich fühle und ich hoffe, dass es bei den Leuten auch genauso ankommt.“

Drei Buchstaben, zwei Silben, eine Stimme und eine offene Zukunft: Amy.
     

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