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Pet Biographie

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Man muss ebenso sehr an die Beatles wie an Daft Punk, Jacques Lu Cont oder Cornelius denken, wenn man Pets Debütalbum "Play One Ready" zum ersten Mal hört. Vielleicht schwirrt einem auch eine T. Rex-Melodie durch den Kopf oder man entdeckt eine Spur der 70er-Glam-Rocker The Sweet in Pets taufrischem elektronischen Pop. Lässt man mal alle klassischen Einflüsse außen vor, hört man einfach makellose und eingängige Popmusik von einem Produzenten, der seine Sache versteht, mit einer musikalischen Vision, die äußerst zugänglich ist. Und trotzdem bleibt dieser packende Elektro-Pop auch nach mehrmaligem Hören noch spannend, weil er nicht nur kraftvoll rockt, sondern auch geschmeidig rollt. Und der versierte Songschreiber André Abshagen aus Berlin weiß ganz genau, worum es bei seinem Projekt Pet gehen soll: "Ich habe moderne elektronische Elemente mit der Musik kombiniert, die mir aus meiner Kindheit in den 70ern und 80ern noch in Erinnerung ist. Damals ging es in der Popmusik noch vor allem um aufregende Songs mit jeder Menge Energie", erklärt er. "Solche Songs fehlen mir in der heutigen Musikszene total. Ich war immer ein großer Fan von richtiger Popmusik, und auf ,Play One Ready' habe ich versucht, ein ganzes Album in diesem Stil zu machen."

Auch wenn es André großen Spaß macht, mit dem heute so sinnentleerten Begriff "Pop" herumzuspielen, ist ihm an musikalischen Vergleichen mit Gleichgesinnten wenig gelegen: "Ich bin ein Zoot Woman-Fan, ich mag ihre Musik wirklich sehr. Das ist gutes Songwriting und eine tolle Produktion. Das letzte Album von Daft Punk mochte ich dagegen gar nicht. Da waren einfach zu viele Soulsänger drauf." Auch an dem anderem gerade hippen Elektro-Pop-Genre, das sich von den 70ern und 80ern inspirieren lässt, liegt ihm nichts. "Electroclash gibt mir nicht besonders viel. Vor allem diesen Hype, der darum gemacht wird, mag ich nicht." "Die Electroclash-Songs, die ich bisher so gehört habe, sind meist Müll. Musik, in der es nur um Attitüde und Posen geht, interessiert mich nicht. Ich mag einfach gute Songs - sie sind der Schlüssel zu gutem Pop."

Als eine Hälfte des experimentellen Elektronik-Duos Dauerfisch und als Komponist für TV-Werbespots verlor die elektronische Musik, die sich immer mehr auf Samples und immer weniger auf Songs verließ, für den Keyboard-Zauberer ihre Magie. "Bei Dauerfisch arbeiteten wir ausschließlich mit Samples, aus denen dann die Songs entstanden. Mit Pet wollte ich etwas vollkommen anderes machen", sagt der thirty-something. "Ich wollte der Musik mit Pet ihre Energie zurückgeben und verhindern, dass ein loop vorgibt, in welche Richtung der Song zu gehen hat. Die meisten Songs für dieses Album habe ich eigentlich auf der Gitarre geschrieben."

Von der ersten Pet-Single, "No Yes No", an hat er seine ursprüngliche musikalische Version allmählich immer weiter verfeinert, Moog-Synthesizer, Schlagzeug und E-Gitarren hinzugefügt, schließlich auch noch Perkussion (dank Dodo Nknishi von Mouse On Mars) und Monica Martins Gesang. Ein paar Samples hat er auch zugelassen ("aber nicht als zentrale Komponenten") und sich ansonsten weder ins Songwriting noch in das Schreiben der Texte reinreden lassen, obwohl er alle Texte auf Englisch schrieb. "Englisch ist nun mal die Sprache des Pop", sagt er. "'No Yes No' war der erste Song überhaupt, den ich auf Englisch schrieb, und ich muss zugeben, dass ich mich dabei zunächst etwas unwohl fühlte. Ich hab's aber trotzdem weiter versucht. Mit besonders tief gehenden Texten kam ich aber nicht weit, also hab ich mich entschlossen, eher spaßige oder gar unsinnige Sachen zu schreiben, was dann auch irgendwie mehr noch Pop klang und ganz gut funktionierte."

Was die Texte angeht, sind David Bowie und John Lennon seine liebsten Songwriter ("Lennon ist technisch äußerst gut. Auch wenn ich Popsongs nicht groß analysiere, ich mag sie einfach.") Ein paar Tricks dürfte er da schon aufgeschnappt haben, so mischt er Mysteriöses und Mehrdeutiges mit einem unerwartet schwarzem, fast englischem Humor. So geht's in der psychedelischen Westküsten-Ballade "Picnic" etwa um Sport, falsche Schnauzbärte und Selbstmord bei internationalen Tischtennismeisterschaften, in "Time To Leave" heißt es. "Building highways through your mind - the air is stuffy."

Und obwohl "Player One Ready" die internationale Sprache des Pop spricht, kann man Deutschland - und besonders Andrés Wahlheimat Berlin - gut heraushören; nicht zuletzt als Hintergrund der musikalischen Ideen, die André hier entwickelt hat.

"Berlin ist eine seltsame Stadt mit einer seltsamen Geschichte, und man trifft hier sehr viele sehr seltsame Menschen", gibt er zu. "Aber Berlin ist auch sehr tolerant. Man kann anziehen, was man will, und es stört sich niemand daran. Außerdem gibt's hier eine große Clubszene, viel Musik und viele Galerien - und jeder, der sich in Deutschland für Kunst und Musik interessiert, landet irgendwann in Berlin. Auch Leute aus dem Ausland kommen hierher. Es ist eine internationale Stadt." Die letzten Ankömmlinge waren Richie "Plastikman" Hawtin, Peaches und Chicks On Speed - doch André versucht sich eine eigene Nische im Elektronik-Bereich zu schaffen.
"Es gibt eine Menge Leute in Berlin, die Electroclash oder Electropunk machen. Aber ich glaube, meine Musik ist anders. Ich fühle mich keiner Szene zugehörig", sagt er. "Ich möchte durch meine Musik interessante Leute kennen lernen und mit ihnen arbeiten, weil das halt mein Job ist. Ich muss aber nicht unbedingt berühmt werden. Es geht mir nur um die Musik."

Mit dem erfreulichen, erhebenden, elektronischen Pop der zehn Stücke auf "Player One Ready", das im April auf Grönland Records erscheint, dürften Andrés Chancen auf die ein oder andere interessante Bekanntschaft stark wachsen. Er kann sich derer wohl sogar sicher sein.
     

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